Kreative Ansätze und Methoden, wie die Musik, Tanz- und Kunsttherapie sind seit
langem nicht mehr aus dem allgemeinen Kanon bewährter stationärer Behandlungskonzepte
innerhalb der Psychotherapie, Psychiatrie und Psychosomatik wegzudenken.
Insbesondere bei der Behandlung schwerer Störungsbilder, bieten sie gerade aufgrund
ihrer nonverbalen Ausdrucksmöglichkeiten eine wichtige Ergänzung zu der ansonsten
auf Sprache ausgerichteten Therapie.
Kreative Therapien wie die Kunsttherapie haben den Vorteil, dass sie Menschen andere,
individuelle Ausdrucksweisen und Reflexionsmöglichkeiten bieten und dies insbesondere
dann, wenn ihre Sprache, Emotionalität, Intelligenz, Wahrnehmung und
Beziehungsgestaltung eingeschränkt oder behindert ist. Kunsttherapie schafft neue
ästhetisch-sinnliche Erlebnisräume und ermöglicht es den Teilnehmern neue Verhaltensweisen
kennenzulernen und sich diese anzueignen, gerade wenn sie in Gruppen
angewandt wird (Watermann, 2010). Diese Faktoren spielen in der Behandlung von
Menschen mit Persönlichkeitsstörung vom Borderline- Typ eine zentrale Rolle.
Ein wesentliches Merkmal von Kunsttherapie ist, dass sie Entwicklungsprozesse in
Gang setzt, indem sie Ressourcen aktiviert. Dies wird durch den Einsatz vielfältigster
Materialien, Techniken und kreativer Übungen erreicht, die den Menschen wieder auf
verschiedenen Ebenen in Beziehung zu sich selbst bringen (Leukart, Wieland & Wirtensohn-
Baader, 2004). Damit wird eine Neuorientierung ermöglicht, die Lebensqualität
verbessert und letztendlich die Gesundheit gestärkt.
Michaela Sindermann