Die Gegenüberstellung von Semantik und Sozialstruktur gehört zu den ,Exportschlagern‘ von Niklas Luhmanns allgemeiner Theorie der Gesellschaft. Damit genießt sie eine Prominenz, die bei genauem Hinsehen verwundern muss. Gerade diese Differenzierung nämlich weist so erhebliche Schwachstellen auf, dass ihre Tauglichkeit als analytisches Werkzeug, aber auch als konsistenter Theoriebaustein wiederholt bezweifelt worden ist. In Anlehnung an Rudolf Stickweh und Urs Stäheli stellt Oliver Schreiber den problematischen Implikationen dieser Theorieentscheidung den genealogischen Diskursbegriff Foucaults gegenüber. Im Zuge einer diskurstheoretischen ,Irritation‘ versucht er die terminologischen Uneindeutigkeiten zwischen Semantik und Sozialstruktur auszuräumen und den analytischen Blick der Luhmannschen Wissenssoziologie für die Dynamik diskursiver Deutungskämpfe zu weiten.
Oliver Schreiber
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