Die Bedeutung des großen Reformators Martin Luther ist über jeden Zweifel erhaben. Aber Martin Luther war auch in seinem Beruf als Doktor und Professor der Theologie kein „Dr. Allwissend“. Als Reformator hat er viele Anstöße gegeben, die nicht nur in den evangelischen Kirchen wirksam geworden sind, weil er eben in vielen Punkten ganz einfach Recht hatte. Doch von Liturgiegeschichte wusste er – im Unterschied zu Geog Witzel – kaum etwas. Luther hat erst nach seiner Ordination Theologie studiert. Vorher musste er nur ein einziges Buch durcharbeiten, ein Buch über die heilige Messe. Das half ihm, seine erste Messe mit tiefer Andacht zu feiern. Ihm wae die gesamte Eucharistielehre der scholastischen Theologie des Mittelalters vertraut. Mit der Zeit kam ihm die richtige Erkenntnis: Die scholastische Eucharistielehre und das Eucharistiegebet der römischen Messe passten in keinem Stück zueinander. Luther zog die Konsequenz und verwarf das gesamte Eucharistiegebet in fast allen seinen Teilen. Die Abschaffung des Messkanons versuchte er mit aller Gewalt durchzusetzen. Leider hat ihm damals niemand beigebracht, dass die Lehre falsch und das Gebet richtig war. Luther hätte sich und der ganzen Kirche viel Ärger ersparen können. In der im Anhang mitgeteilten kleinen Schrift über das persönliche Leben des Priesters lernen wir einen ganz anderen Luther kennen, der seinen Brüdern ganz einfach helfen wollte. Das ist für einen jeden Christen auch heute noch gut und nützlich zu lesen
Joachim Bönecke