Jeden Tag geben wir einander Begrundungen. Wir beginnen damit, sobald wir sprechen lernen. Worin liegen selbst die Grunde dafur und welche Formen nehmen unsere Begrundungen typischerweise an?
Charles Tilly, Soziologe und Historiker (1929 – 2008), zeigt so einfach wie bestechend, wie wir mithilfe von Begrundungen unser soziales Leben gestalten. Er eröffnet uns einen faszinierenden Blick auf die sozialen Beziehungen, die wir durch Begrundungen zu anderen herstellen, behaupten, etablieren, verhandeln, erneuern oder auch beenden.
»[Das Buch] beeindruckt durch Reichweite und Anspruch, durch die Fulle an Wissen, durch die kluge und sorgfältige Verwendung von Tillys eigenen Erfahrungen im öffentlichen und wissenschaftlichen Leben sowie in Bezug auf seine Krankheit, durch die scharfen Beobachtungen[…] und nicht zuletzt durch die klare, beinahe literarische Prosa, in der alles präsentiert wird.«
Howard S. Becker, Autor von Tricks of the Trade
»Tillys Why? bietet fur sich genommen eine Fulle von Einsichten und Denkanstößen – und fordert gleichzeitig dazu heraus, das Thema erneut eingehender zu erforschen.«
Viviana Zelizer, Autorin von The Social Meaning of Money
Mit einer Einführung von Thomas Hoebel und Stefan Malthaner
Menschen geben von klein auf Begründungen an oder fordern von anderen Gründe ein, und dies tun sie ein Leben lang. Der namhafte Soziologe, Historiker und Politikwissenschaftler Charles Tilly untersucht die Art und Weise, wie Menschen Beziehungen zu anderen Menschen aus den von ihnen angegebenen Gründen aufbauen, verhandeln oder beenden.
Unabhängig von dem, was sie sonst noch tun, wenn sie Gründe angeben, gestalten Menschen durch Begründungen ihr soziales Leben. Das Buch handelt nicht davon, ob angegebene Begründungen richtig oder falsch, gut oder schlecht, plausibel oder unglaubwürdig sind. Vielmehr konzentriert es sich auf den sozialen Prozess des Begründens.
Jede Art von Begründung hat bestimmte Eigenschaften und variiert im Inhalt – je nachdem, welche sozialen Beziehungen die Gebenden und die Nehmenden von Gründen miteinander verbinden. Insofern hat jede neben anderen Konsequenzen auch Auswirkungen auf ihr soziales Miteinander: Begründungen bestätigen eine bestehende Beziehung, sie bringen sie wieder in Ordnung, erheben Anspruch auf eine neue Beziehung oder bestreiten einen solchen Anspruch. Ebenso handeln Menschen, die Gründe geben oder nehmen, damit ihren Status zueinander aus, ob sie gleichrangig oder ungleich sind. In allen Fällen hängt jedoch die Akzeptanz von angegebenen Begründungen davon ab, ob sie zu den sozialen Beziehungen passen, die zwischen den Beteiligten vorherrschen.
Tilly beschreibt forschend, gleichsam einfühlend, was geschieht, wenn Menschen in ihrem Umfeld Gründe angeben, Gründe präsentiert bekommen oder solche miteinander aushandeln. Angereichert mit Anekdoten über alltägliche soziale Erfahrungen bietet Tilly den Leserinnen und Lesern eine faszinierende Geschichte über die Bedeutung von Begründungen in ihrem Leben.
In der Reihe Positionen erscheinen klassische und neue Texte, die sich damit auseinandersetzen, was wegweisende Sozialforschung methodisch und theoretisch ausmacht, und die aufzeigen, was sie leisten kann.
Sozialforschung weiterdenken heißt, mit Positionen zu experimentieren, die inspirieren und irritieren, weil sie die theoretischen und methodischen Konventionen sozialwissenschaftlichen Forschens hinterfragen, überwinden oder neu arrangieren. Die ausgewählten Werke fordern allesamt heraus; sie geben Orientierung und enthalten überraschende Einsichten; sie machen Deutungsangebote und ermuntern zu Kritik.
Ziel der Reihe des Hamburger Instituts für Sozialforschung ist es, methodisch und theoretisch kreativen Impulsen mehr Gewicht in wissenschaftlichen und öffentlichen Diskursen zu verleihen. Dazu versammelt Positionen sowohl Originaltexte als auch Übersetzungen.
Charles Tilly
Charles Tilly (1929 – 2008), Soziologe, Historiker, Politologe, lehrte während seiner Laufbahn an einer Reihe von Universitäten, zuletzt lange an der Columbia University. Tilly veröffentlichte über fünfzig Bücher und Monografien sowie Hunderte wissenschaftliche Artikel. Seine Forschung gibt Einblicke in eine Reihe von Themen, wie Revolutionen, europäische Nationalstaatsbildung, Demokratie, soziale Bewegungen und kategorische Ungleichheiten.
soziale Beziehung soziales Umfeld sozialer Prozess soziale Interaktion Status Begründung Erving Goffmann