Gemeinhin wird Kapitalismus vom Haben her gedacht: Wenige private Kapitaleigentümer haben die Macht, Investitionsentscheidungen zu treffen und sich die Renditen dieser Entscheidungen anzueignen. Doch die Logik des Kapitalismus hat sich geändert, heute haben Banken das Privileg, Kapital per Tastendruck aus dem Nichts zu erschaffen, unabhängig von den bestehenden Kapitalvorräten. Diese unbeschränkte Geldschöpfung stellt eine paraökonomische Quelle der Bereicherung dar, die in der Debatte um zunehmende Ungleichheit viel zu wenig Beachtung findet.
Das Weltvermögen beträgt derzeit ca. 256 Billionen US-Dollar und ist damit gut 800 Mal so groß wie der Staatshaushalt der Bundesrepublik Deutschland. Dagegen stehen 152 Billionen Dollar Privatschulden.
Aaron Sahr beleuchtet das Dreieck von Privatvermögen, Schulden und ökonomischer Ungleichheit und stößt dabei im »Maschinenraum des Kapitalismus« auf eine paraökonomische Quelle der Vermögensbildung: das Geldschöpfungsprivileg privater Banken. Sie produzieren heute Geld aus dem Nichts durch einfachen Tastendruck. Von diesem außergewöhnlichen Privileg profitiert vor allem eine Minderheit. Denn sie ist in der Lage, sich die Renditen des Tastendruck-Systems anzueignen.
Es gilt zu verstehen, durch welche Kanäle diese Aneignung gelingt, was sie für unser Verständnis des Kapitalismus bedeutet und wie mit ihr umzugehen ist.
Aaron Sahr
Aaron Sahr, Dr., Philosoph und Soziologe, ist Leiter der Forschungsgruppe Monetäre Souveränität am Hamburger Institut für Sozialforschung und Träger des Franz-Xaver-Kaufmann-Preises 2019.
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