6 ZUSAMMENFASSUNG
Die Supplementierung von Rationen für Schweine mit Betain, einem kompatiblen
Osmolyt, führt zu einer teilweise deutlichen Verbesserung der Nährstoffverdaulichkeit.
Dies betrifft insbesondere die Rohfaserfraktion, deren erhöhte Verdaulichkeit mit einer
vermehrten mikrobiellen Fermentation zu erklären ist. Jedoch besteht in der
Wirkungseffizienz von Betain eine erhebliche Variation zwischen einzelnen Studien. Daher
bestand eine Zielsetzung der vorliegenden Arbeit darin, in einem Dosis-Wirkungsansatz
die Auswirkungen abgestufter Betainzulagen zur Ration von Absetzferkeln auf die
praecaecale und Gesamtverdaulichkeit von Nährstoffen sowie die Bildung mikrobieller
Metaboliten auf praecaecaler und postilealer Ebene zu untersuchen (Kapitel 2).
Durch die Supplementierung von Rationen für Schweine mit organischen Säuren
lässt sich u. a. die Verdaulichkeit von Futterproteinen steigern. Die daraus resultierende
vermehrte Absorption von Aminosäuren vermindert den Anteil des mikrobiell abbaubaren
Proteins zu Ammoniak und biogenen Aminen bereits in den praecaecalen
Darmabschnitten des Schweins. Demgegenüber werden Kohlenhydrate mit prebiotischer
Wirkung wie Inulin bevorzugt in den postilealen Darmabschnitten mikrobiell fermentiert, so
dass im Endeffekt ein reduzierter Abbau von unverdautem Protein endogener und
exogener Herkunft postileal zu erwarten ist. Aus dieser Kenntnis der gastrointestinalen
Wirkungsweise von organischen Säuren und Inulin wurde die Arbeitshypothese abgeleitet,
dass diese Zusatzstoffe im Zusammenwirken mit Betain die Darmfunktionen beim
Absetzferkel nachhaltig unterstützen können. Daher bestand eine weitere Zielsetzung der
vorliegenden Arbeit darin, den Einfluss einer Betainzulage in alleiniger Dosierung oder in
Kombination mit organischen Säuren und Inulin auf die praecaecale und die
Gesamtverdaulichkeit von Nährstoffen sowie die Bildung mikrobieller Metaboliten auf
praecaecaler und postilealer Ebene zu untersuchen (Kapitel 3).
In der ersten Studie (Kapitel 2), wurden acht Absetzferkel (LM 7,9 kg) mit einfachen
T-Kanülen am distalen Ileum operativ versehen. Die Tiere erhielten eine Basalration,
basierend auf Weizen, Gerste und Sojaextraktionsschrot oder drei Versuchsrationen,
denen 1,5, 3,0 oder 6,0 g Betain pro kg Gesamtration zugelegt wurden. Diese Abstufung
im Betaingehalt führte sowohl zu einem quadratischen als auch zu einem linearen
(P0,05) in der Tendenz (P=0,06 bis P=0,11) auch für
die Gesamtverdaulichkeiten aller untersuchten Aminosäuren. Die höchste Zunahme in der
Gesamtverdaulichkeit des Rohproteins und der Aminosäuren mit 2,3 bzw. 3,2
Prozentpunkten ergab sich bei einer Zulage von 3,0 g Betain. Ein Indiz für die erhöhte
postileale Fermentation von Rohprotein und Aminosäuren durch Darmbakterien liefert der
lineare Anstieg der Gehalte an Diaminopimelinsäure (P0,05) der untersuchten
Nährstoffe nachgewiesen werden. Dies betrifft auch die Konzentration an mikrobiellen
Metaboliten im Ileumchymus und in den Faeces (P>0,05). Offensichtlich haben diese
Supplemente in den gewählten Konzentrationen keinen Einfluss auf die mikrobielle
Fermentationsaktivität in den praecaecalen und postilealen Darmabschnitten.
Es konnte gezeigt werden, dass Betain beim Absetzferkel die Fermentation der
NDF praecaecal stärker stimuliert als postileal, wobei die höchste Wirkungseffizienz bei
3,0 g Betain pro kg Futter ermittelt wurde. Postileal fördert Betain die mikrobielle
Fermentation von Rohprotein und Aminosäuren. Praecaecale und postileale
Veränderungen in der Konzentration an mikrobiellen Metaboliten und bakteriellen Markern
weisen auf eine erhöhte Fermentationsaktivität, einhergehend mit einer Veränderung in
der Zusammensetzung der Bakterienpopulation aufgrund von Betainzulagen hin. Eine
Kombination von Betain mit organischen Säuren und (oder) Inulin hatte keinen Einfluss auf
die Nährstoffverdaulichkeiten und die Bildung mikrobieller Metaboliten im
Gastrointestinaltrakt von Absetzferkeln. Zur Klärung dieser Frage bedarf es weiterer
Studien.
Adi Ratriyanto