Ein gutes Verständnis planetarer Atmosphären ist eine Grundvoraussetzung
zur Entwicklung von Prognosemodellen. Vorhersagen aus diesen
Modellen wiederum tragen wesentlich zum globalen Verst¨ändnis dieser
Atmosphären bei. Ausgehend von Modellen für die Erdatmosphäre hat
die Anpassung und Entwicklung dieser Modelle für Mars und Venus in
den letzten Jahren große Fortschritte gemacht.
Wesentlichen Einfluss hatten dabei verbesserte Beobachtungsmöglichkeiten
und Raumfahrtmissionen. Zum einen werden Orientierungsdaten
für die Parametrisierung benötigt und zum anderen bedürfen
Modelle der Bestätigung durch Messwerte. Erdgebundene Beobachtungen
insbesondere in höheren Bereichen der Atmosphäre sowie Langzeitbeobachtungen
sind daher eine wichtige und kostengünstige Ergänzung
zu Weltraummissionen, um Modellvorhersagen zu überprüfen und
zukünftige Missionen vorzubereiten.
Eine elegante Methode zur sonst nur schwer möglichen direkten
Messung von Windgeschwindigkeiten ist die Beobachtung von
nicht-thermischen CO2 Emissionslinien im Infrarotbereich mit Frequenz
hochauflösender Heterodynspektroskopie. Aus beobachteten
Dopplerverschiebungen der Frequenzen dieser Linien kann direkt auf
die Geschwindigkeiten der CO2 Moleküle rückgeschlossen werden. Im
Unterschied zu Beobachtungen im Radio-Wellenlängenbereich kann im
Infraroten auch die notwendige hohe räumliche Auflösung erreicht werden.
Zudem ist die ermittelte Windgeschindigkeit der einzelnen Positionen
am Planeten unabhängig von zusätzlichen Informationen wie
Temperatur- und Druckprofilen.
Ein derartiges Infrarot Heterodyn Empfängersystem mit dem Namen
THIS (Tuneable Heterodyne Infrared Spectrometer) wurde am I.
Physikalischen Institut der Universität Köln aufgebaut und im Rahmen
dieser Arbeite weiterentwickelt, sodass nunmehr regelmässige Beobachtungen
der Mars- und Venusatmosphäre mit diesem Instrument möglich
sind.
Die Ergebnisse von Windmessungen in den Atmosphären von Mars
und Venus aus insgesamt vier Beobachtungskampagnen im Zeitraum
von 2005 bis 2008 werden in dieser Arbeit präsentiert. Die Messungen
wurden so weit wie möglich in Koordination mit anderen Beobachtungstechnicken
durchgeführt und sowohl mit deren Resultaten als auch mit
Modellergebnissen verglichen.
Bei Resultaten der Venusbeobachtung stand dabei der Vergleich mit anderen
Beobachtungsmethoden, vor allem innerhalb der "Coordinated
ground-based campaign to support Venus Express" im Vordergrund, da
für Venus noch keine verlässlichen Modellergebnisse in der höheren At-
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Abstract 9
mosphäre zur Verfügung stehen. Die gemessenen Werte sind im Vergleich
zu anderen Beobachtungen grundsätzlich etwas niedriger und im
Gegensatz zu diesen konnte nur eine moderate zeitliche Variabilität festgestellt
werde.
Im allgemeinen hat die koordinierte Beobachtungskampage gezeigt,
daß die Dynamik der Venusatmosphäre viel komplexer ist, als bisher
angenommen. Daher sind zusätzliche Daten besonders bzgl. zeitlicher
Variabilität von Windgeschwindigkeiten notwendig. Weitere Messkampagnen
mit THIS sind bereits geplant.
Im Gegensatz zu Venus liefern Marsmodelle hingegen mittlerweile sehr
detaillierte Informationen bezüglich verschiedenster atmosphärischer
Parameter. Die Resultate unserer Beobachtungen konnten die Vorhersagen
eines Models vom Laboratoire de Météorologie Dynamique du
CNRS(Paris) in weiten Bereichen bestätigen. Bei Auswertung und Interpretation
der Daten wurde dabei hohen Wert auf die Zusammenarbeit
mit Modellierern gelegt. Es hat sich gezeigt, dass Messungen mit THIS
für eine noch detailliertere Überprüfung der Modelle in Zukunft einsetzbar
sind.
Manuela Sornig