Joachim Werneburg (* 1953 in Erfurt) lebt in Weimar, verfaßt Lyrik und Kurzprosa. Er schuf in seinen frühen Gedichten für Thüringen eine Mythologie in Geologie, Pflanzen- und Tierwelt, entwarf poetische Exkursionen in die vorgeschichtliche und mittelalterliche Zeit ("Thüringer Meer", 1986/1991). In den Jahren 1988/89 näherte sich Joachim Werneburg dem Werk des chinesischen Dichters Pe-lo-thien (Bai Juyi, 772 - 846) an und stieß auf vergleichbare existentielle Erfahrungen ("Die Reise nach Südost", 1991). Mit späteren Arbeiten erweiterte Werneburg den 'zentraleuropäischen' Ansatz des "Thüringer Meers" um Themen wie "Böhmische Steine", die Welt der Skythen oder – nach dem Fall der Mauer – die Landschaft der Provence und Cornwalls. Pulsierend kehrt er nach Thüringen zurück.Joachim Werneburg führt in seinem neuen Gedichtband "Die Klage der Gorgonen", der in den Jahren 1997 bis 2007 entstand, dieses Wechselspiel fort. So knüpft der Gedichtzyklus "Etruskisches Tarot" an das bekannte Kartenspiel an. Geographisch verbleiben die ersten Arbeiten des Bandes in Mittel- und Süditalien, klassischer Mythos und christliches Mittelalter begegnen sich. Später wird der Bogen zu den griechischen Inseln gespannt. Mit dem Kapitel "Das Grab des Wächters" erfolgt ein Sprung nach Wales und Nordwestdeutschland, keltisch-germanisches Heidentum klingt an. In der Gedichtfolge "Der Granatapfel" greift Werneburg mittelalterlich-islamische Motive auf. Der Abschnitt "Die Burg des Zaunkönigs" enthält naturlyrische Elegien, die in den mittleren Teil Deutschlands, in das unmittelbare Lebensumfeld des Autors, zurückführen.
Joachim Werneburg