Unter vielen historischen Aufzeichnungen zur Entwicklung der Deutschen Volkskunde bleibt der Prozess der Institutionalisierung ein entscheidendes Kriterium der Periodisierung. Von einer historiographischen Perspektive aus betrachtet, konstituiert die Institutionalisierung der Disziplin, ein Muster epistemischer Legitimität, infolge dessen eine wissenschaftliche Disziplin beginnt, wenn sie eine institutionelle Form annimmt. Gab es eine epistemische Legitimität in vorinstitutionellen Forschungspraktiken zum Volk? Nach meinem Argument konstituierte die intensive, in vorinstitutionellen Zeiten existierende Forschung zum Volk, über einen Zeitraum von ca. 20 Jahren (1875-1895), ein genuines System der Feldforschung, indem sie ein charakteristisches Muster epistemischer Legitimität nach sich zog, namentlich der körperlichen Präsenz auf dem Feld. Um die Konfiguration genuiner volksorientierter Praktiken der Feldforschung in vorinstitutionellen Zeiten ans Licht zu bringen, schlage ich die Untersuchung eines Korpus von Anleitungen für Forschungsreisende vor, die zumeist während des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts innerhalb des deutschsprachigen Raums und vorrangig in Deutschland, veröffentlicht wurden. Solche eine Perspektive erlaubt die Enthüllung des gesellschaftlichen Raums in welchem die obengenannte Anleitungen die Runde machten, als auch die aktive Rezeption, die sie nach sich zogen und die Praktiken, die sie anregten.
Eduardo González Muñiz