Über Hubertus Giebe ist oft geschrieben worden. Alle Autoren sind sich darin einig, daß seine Malerei und Grafik, seine Zeichnungen und jüngst auch Skulpturen anderen Ausgangspunkten folgen als jenen, die wir in der bildenden Kunst der Gegenwart die Typischen nennen würden.
Das Werk Giebes ist ganz unmittelbar von Literatur angeregt, aber er illustriert nicht. Giebe ist belesen, sein Sendungsbewußtsein umfassend und kompromißlos. Obwohl seine Kunst im großen und ganzen gegenständlich angelegt ist und sich ein bedeutender Teil seiner Arbeiten der Geschichte widmet, geschieht dies nicht im Sinne des herkömmlichen Historienbildes. Wir begegnen einem "Personal", dessen kunstgeschichtliche Herkunft weit in der Vergangenheit liegt oder der Phantasie des Malers entwachsen scheint und doch immer die Gegenwart und den Betrachter meint: eine Phalanx von Außenseitern, deren Tun uns Rätsel aufgibt, Puppen, die wie menschliche Wesen agieren, Zwerge, die groß ins Rampenlicht von Bildbühnen gesetzt sind, oder Engel, die ihre Arabesken vor der Kuppel der Dresdner Kunsthochschule vollführen.
Das Buch fragt nach der Eigentümlichkeit dieses Werkes und nach seinem Platz in der jüngsten Kunstgeschichte. Es beschreibt die inneren Ursachen und die Koordinaten der Herkunft dieser provozierenden und facettenreichen Bildwelt aus der Biographie des Malers in der verästelten Komplexität geistiger Hintergründe und emotionaler Schichten. Hubertus Giebe, 1953 in Dohna bei Dresden geboren, 1974–1976 Studium der Malerei und Grafi k an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, 1978 Externes Diplom an der Hochschule für Grafi k und Buchkunst Leipzig. Anschließend Meisterschüler der Leipziger Hochschule bei Bernhard Heisig.1979–1982 Assistent, danach 1982–1986 Leitung des künstlerischen Grundlagenstudiums für Malerei und Grafi k an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, gemeinsam mit Johannes Heisig, ab 1987 Dozent. 1990 Bild-Raum-Installation als Einzelausstellung zur 44. Biennale di Venezia. 1991 Kündigung des Lehrverhältnisses durch Giebe. Freischaffender Maler, Grafi ker und Bildhauer. Mitglied des Sächsischen Künstlerbundes.
Arbeiten Giebes befinden sich in zahlreichen Sammlungen und Museen, u.a.: Nationalgalerie und Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin; Deutsches Historisches Museum, Berlin; Neue Sächsische Galerie, Chemnitz; Gemäldegalerie Neue Meister und Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden; Wilhelm Lehmbruck Museum Duisburg; Galerie Moritzburg, Halle; Sprengel Museum Hannover; Museum für bildende Künste Leipzig; The British Museum London (Print Collection); Akademie der Wissenschaften und Literatur, Mainz; Sammlung Ludwig, Oberhausen; Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart.
Jörg Makarinus