Diese Biographie des Wirtschaftshistorikers und universell
gebildeten Gesellschaftswissenschaftlers Jürgen Kuczynski
(1904–1997) konzentriert sich zwar auf die Jahre in der DDR, betont
aber zugleich seine Verwurzelung im neo-humanistischen, assimilierten
deutsch-jüdischen Großbürgertum. Mit über 150 Buchpublikationen und
ca. 4000 Aufsätzen, Rezensionen und Essays war dieser in Habitus und
hochkultivierter Bildung dem 19. Jahrhundert zu entstammen scheinende
Gelehrte einer der produktivsten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts.
In eine prominente Familie des Berliner Wirtschafts- und
Bildungsbürgertums hineingeboren, schloss sich Kuczynski 1930 der
kommunistischen Bewegung an und hielt ihr bis zu seinem Tod die
Treue. Er verstand Wissenschaft sowie politisches Engagement und
Publizistik als eine Einheit.
Trotz dieser eindeutigen weltanschaulichen Festlegung und den damit
verbundenen auch zeitbedingten dogmatischen Verengungen schuf sich
Kuczynski einen international respektierten Ruf als methodisch innovativer
Experte besonders für die Lage der Arbeiter im Industrie-
Kapitalismus.
Gesellschaftwissenschaften Neo-Humanismus Wirtschaftshistorie