Bereits der Titel der Studie "Männerweiblichkeit" - die anläßlich der Diskussion um die dreiteilige Fernsehdokumentation über die Familie Mann wieder aufgelegt wird -, ist aus der grundlegenden Einsicht entstanden, daß sich die lebensbestimmende Auseinandersetzung mit der Homosexualität beider Manns an der Frage nach der eigenen "Männlichkeit" bzw. "Weiblichkeit" entzündet, an der Frage also nach der Geschlechts- und Rollenidentität, und daß sowohl Thomas als auch Klaus Manns Leben und Werke sich existentiell dem Zwiespalt der Identität zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit verdanken.
Ausgehend von der Beobachtung, daß sich die Leserschaft zunehmend auch mit den irritierenden Aspekten in Leben und Werk Thomas Manns auseinandersetzt, nähert sich das vorliegende Buch dem problematischen Sujet höchst sensibel und bricht mit den überkommenen Tabus.
Gerhard Härle
Geschlechts- und Rollenidentität Homosexualität Klaus Mann Thomas Mann