Jael Geis schlägt ein bislang verborgenes Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte auf. Sie gibt Einblick in die Lebensbedingungen, Gedanken- und Gefühlswelt von Juden deutscher Herkunft, den "Übriggebliebenen", und rekonstruiert die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten im unmittelbaren Nachkriegsdeutschland - im Land der Täter - weiterzuleben.
Die Diskussionen dieser jüdischen Gruppe zum Verhältnis von Rache, Recht und Gerechtigkeit werden in ihrer ganzen Komplexität dargestellt. Jael Geis weist nach, daß rassistische Kategorisierungen des NS-Systems in der deutschen Entschädigungspolitik zur Anwendung kamen, Kategorien, die selbst bei der Neudefinition und - organisation der jüdischen Gemeinden eine Rolle spielten.
Überaus deutlich wird, daß materielle Fragen wie Versorgung und Entschädigung und die politischen Entscheidungen der Alliierten für diese jüdische Gruppe nicht zu trennen waren von ihrer Anerkennung oder Mißachtung als Opfer des NS-Terrors, ein Zusammenhang, der bis heute nur für die Gruppe der "Displaced Persons" untersucht ist.
Die Autorin:
Jael Geis, 1948 in Zürich geboren, studierte Sinologie, Amerikanistik und Soziologie in Berlin. Ausbildung und Tätigkeit als Krankenschwester in Berlin und den USA. Studium der Geschichte in Berlin. Wissenschaftliche Rechercheurin am Jüdischen Museum Berlin.
Jael Geis
Deutsch-jüdische Beziehung Deutschland - amerikanische Zone Deutschland - britische Zone Politik 1945 ff.