Ein älterer Gast hatte ihr mal in einem Gespräch einen weisen
Spruch gesagt. Dieser lautete: „Stiehl dir was, dann hast du was
und laß jedem das Seine.“ Das war ihr lange durch den Kopf gegangen
und hatte seine Wirkung nicht verfehlt. (.) Sie eignete
sich meisterliche Verhaltensregeln auf sämtlichen Gebieten an.
Bald schon sagte man ihr nach, sie habe es faustdick hinter den
Ohren. (.) Aus dem naiven Mädchen wurde bald eine sowohl
durchtriebene als auch erfahrene Frau. (.) „Eines Tages“, so
dachte sie zur damaligen Zeit, „wird schon der Richtige kommen,
und dann steige ich aus.“ (.) Bei ihren Hinterhoffreundinnen käme
sie damit bestimmt zu hohem Ansehen, falls sie es überhaupt
begreifen würden. (.) Moral? Das Wort gab es nicht in ihrem
Sprachschatz.
Gelingt es Julia, Wolfgang und Tine, „Madame femme fatale“ zu
Fall zu bringen, werden sie Karl-Ernst noch retten können?
Ein provozierender, spannender Roman, der die Patientenverfügung
als wichtige Grundlage für jede Person anspricht und in ihrer
Niederlegung in Frage stellt.
Inga Blum