Siegfried Stephan wurde 1935 in Hohenleuben geboren. Er studierte in Münster, Köln, Kiel und Bonn und promovierte 1967 mit einer pflanzensoziologisch-ökologischen Arbeit zum Dr. rer. nat. Als Boden-Mikromorphologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Bodenkunde der Universität Bonn untersuchte er dann die Genese in- und ausländischer Böden, mit mehreren Forschungsaufenthalten in Argentinien. Der Autor ist verheiratet und hat zwei Kinder.
In der Schulzeit hatte sich das Denken des Autors zwischen Schöpfungsglauben und Materialismus verfangen, während des Biologie-Studiums lernte er das weite Feld der Evolutionslehre besser kennen, erfuhr aber auch von der Bedeutung des Dialogische Prinzips und versucht seither, dessen Rolle in der Evolution zu verstehen. Gründlich konnte er dieses Thema erst bearbeiten, nachdem im Frühjahr 2000 die vielfältigen Aufgaben in Institut und Lehre fortgefallen waren.
Der Autor geht von dem Gedanken aus, dass die Fähigkeit zum Dialog für uns Menschen wesentlich ist, ja dass es sich um eine eigenständige, nicht ableitbare Fähigkeit handelt, die während der Evolution aufgetaucht sein muss. Das Wesen des Dialogischen, wie es Martin Buber und Andere herausgearbeitet haben, wird in der Einleitung kurz umrissen, später dann besonders in seinen Beziehungen zur Evolution dargelegt.
Denn zuvor musste das evolutionäre Weltbild entfaltet werden, in welches das Dialogische Prinzip eingefügt werden soll: Ein in sich stimmiges, wissenschaftliches Weltbild, das sich an der Geschichte der Natur orientiert und das Auftreten der Menschen in dieser Geschichte anzielt. Entsprechend werden zunächst Grundzüge der Genese des Weltalls dargestellt, wobei man sehen kann, welcher Mittel sich die Evolution bedient. Sie bringt immer wieder unerwartete, neuartige Eigenschaften hervor, Strukturen werden komplexer, und so baut sich eine Folge von Seinsschichten auf - und zwar immer in Abhängigkeit vom Umfeld. Wie komplex die Zusammenhänge sind, wird an der Differenzierung der Erde deutlich gemacht, wobei man zugleich eine Vorstellung von der Situation gewinnt, in der die Lebewesen und schließlich die Menschen entstanden sind.
Detaillierter wird die biologische Evolution dargestellt. Dabei wird die Entwicklung der Lebewesen durch Mutation und Auslese (Darwinismus) als ein wichtiger Evolutionsprozess gewürdigt und zugleich relativiert. Denn schon in der Frühgeschichte des Lebens haben andere Prozesse eine Hauptrolle gespielt. Eine wichtige Vorbereitung zum Verständnis des besonderen Verhaltens der Menschen ist die Verhaltenskunde der Tiere. Aus der Gegenüberstellung lässt sich unter anderem die Ablösung der fixierten erblichen durch veränderliche kulturelle Rituale darstellen, aber auch die bleibende Bedeutung von Hemmungen.
Bei der Charakterisierung des Menschen werden besonders die kulturellen Rituale und der Innere Repräsentationsraum berücksichtigt. Letzterer findet sich schon bei Tieren, erringt aber beim Menschen größte Bedeutung, unter anderem auch als Grundlage des dialogischen Verhaltens. Zum Dialogischen führt die Frage nach der Liebe und anderen humanen Werten, die von der Evolutionstheorie bisher nicht angemessen berücksichtigt werden konnten. Die hier vorgenommene Bewertung des Dialogischen als unabhängige Eigenschaft und als notwendige Ergänzung der zivilisatorischen Fähigkeiten zeigt, dass damit die Evolution eine neue Stufe erreicht hat.
Die Bedeutung des Dialogischen im persönlichen wie im gesellschaftlichen Leben wird dargestellt, und dabei zeigt sich, dass die Integration der dialogischen Fähigkeit in das menschliche Verhalten noch nicht abgeschlossen ist. Weil das Dialogische Prinzip im Ringen um das Überleben der Menschheit eine Schlüsselrolle spielt, ist die Förderung dieser Errungenschaft der Evolution eine existenziell wichtige Aufgabe der Menschheit.
Siegfried Stephan