Seriösen Schätzungen zufolge ist heute mindestens die Hälfte der Weltbevölkerung zwei- oder mehrsprachig. Dennoch aber haben nur etwa 25 Prozent aller UNO-Staaten Mehrsprachigkeit auf staatlicher Ebene in ihrer Verfassung verankert. Auch dies ist ein Signal dafür, dass Mehrsprachigkeit heute, selbst in demokratisch verfassten Staaten, noch immer eine Herausforderung darstellt, die nicht überall zugleich als Chance angesehen wird. Viele Regionen in Europa arbeiten noch immer an dieser Herausforderung. Die Europäische Union begleitet diesen Prozeß und verpflichtet sich dem Anliegen, vielfältige Mehrsprachigkeit zu fördern.
Zu den Mehrsprachigkeitsphänomenen, die dieser Band behandelt, gehören:
• die individuelle, soziale wie politische Einstellung zur Mehrsprachigkeit und deren Einfluss auf die Sprachpolitik in Vergangenheit und Gegenwart;
• schulpolitisch geförderte Mehrsprachigkeit im 21. Jahrhundert bei pragmatischer Abwägung, welche Sprache neben der Landessprache Karrieren sichert;
• Zwei- und Mehrsprachigkeit auf institutioneller und staatlicher Ebene;
• Bedingungen individueller, regionaler und staatlicher Mehrsprachigkeit;
• eine Ausbildungsarchitektur und Mehrsprachigkeitsdidaktik, die Sprache nicht auf internationale Kommunikation reduziert, sondern deren Status als Kultursprache in einem kulturellen Universum bewahrt;
• Mehrsprachigkeit als identitätsstiftende Dimension.
Maria Katarzyna Lasatowicz
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