Afrikanische Flughunde als potentielles Reservoir für zoonotische Krankheitserreger am Beispiel von Escherichia coli
Neuartige Infektionskrankheiten stellen eine zunehmende Bedrohung für die menschliche Gesundheit dar. Auch wenn die Entdeckung neuartiger viraler Pathogene im Vordergrund vieler derzeitiger wissenschaftlicher Untersuchungen steht, sind 54% der neuartigen Infektionskrankheiten bakteriellen Ursprungs, darunter eine Vielzahl antimikrobiellresistenter Keime. Aufgrund der hohen Artenvielfalt gelten tropische Regionen, allen voran Sub-sahara Afrika, als “Hotspots” für neuartige zoonotische Infektionskrankheiten. Fledertiere werden als Reservoir für zahlreiche virale Krankheitserreger in Betracht gezogen. Einige Eigenschaften hinsichtlich ihrer Physiologie und Ökologie machen Fledermäuse einzigartig in ihrer Rolle als Reservoir und Verbreiter von Krankheitserregern.
In der vorliegenden Studie wurden wildlebende Fledermäuse und Flughunde aus Zentral- und Westafrika auf potentiell pathogene bakterielle Erreger hin untersucht. Dabei wurde ein histopathologischer als auch ein mikro- und molekularbiologischer Ansatz gewählt, um Informationen über den Gesundheitsstatus sowie die bakterielle Belastung asymptomatischer Fledermäuse zu gewinnen.
Bei der histopathologischen Untersuchung von 131 Fledermäusen konnten Gewebsveränderungen am häufigsten in Lungen und Lebern festgestellt werden. Beinahe ein Viertel (24.8%) aller untersuchter Fledermäuse zeigte granulomatöse Veränderungen unterschiedlicher Entwicklungsstadien in der Leber. Häufigste Läsion der Lunge war eine lobuläre interstitielle lymphozytäre Infiltration in 26.9% (n=35) aller untersuchter Tiere, überwiegend mit geringgradiger Ausprägung. Fünfundfünfzig zufällig ausgewählte Tiere wurden mittels 16S rDNA PCR auf Bakterien untersucht, was Hinweise auf extra intestinal pathogene Escherichia coli (ExPEC) ergab. Im Folgenden wurden isolierte E. coli näher charakterisiert, da sie im Zusammenhang mit einer Vielzahl von Krankheitsbildern bei Mensch und Tier stehen.
Siebenunddreißig verschiedene E. coli Sequenztypen (STs) wurden identifiziert, darunter sowohl noch unbekannte, als auch STs, die häufig mit Infektionskrankheiten bei Mensch und Tier in Verbindung gebracht werden. Nur wenige der STs waren intermediär resistent gegenüber wenigen der 15 getesteten antimikrobiellen Substanzen. Gemeinsam mit dem überwiegend arborealen Lebensstil von Flughunden deutet dies auf eine eher “naïve” E. coli - Population in den untersuchten Flughunden hin. Die Vollgenomanalyse eines Stammes des ST131 ergab die Zugehörigkeit zu einer phylogenetisch älteren Klade, die gewöhnlich nicht mit antimikrobieller Resistenz in Verbindung gebracht wird. Angesichts der hohen Anzahl an unbekannten Stämmen sollten weitere Studien durchgeführt werden um die E. coli-Diversität bei Wildtieren näher zu beschreiben, vor allem in den bisher wenig untersuchten Tropen.
Wenngleich nicht sehr wahrscheinlich, sollte die Übertragung der isolierten ExPEC auf Menschen oder domestizierte Tiere berücksichtigt werden, da Flughunde (einschließlich der hier untersuchten Arten) häufig als bushmeat gejagt werden, was in einer Vielzahl von Übertragungsmöglichkeiten resultiert bspw. bei der Zubereitung oder dem Verzehr der Tiere. Darüber hinaus haben sich einige Flughundarten an menschliche Siedlungen angepasst, wo sie in großen Kolonien leben und die Umwelt kontaminieren können.
Kathrin Nowak
Chiroptera EIDs Escherichia coli epidemiology fruit bats histopathology infectious diseases liver lungs polymerase chain reaction public health