Magen-Darm-Nematoden sind die häufigsten Nematoden von Rindern; Sie sind weltweit, vor allem jedoch in Ländern mit gemäßigtem Klima verbreitet. Cooperia oncophora und Ostertagia ostertagi sind die häufigsten Arten, welche den Dünndarm und Labmagen von Rindern besiedeln. Innerhalb der letzten Jahrzehnte wurde die zunehmende Resistenz dieser Parasiten gegenüber Anthelminthika ein immer größeres Problem in der Rinderhaltung. In Europa, Neuseeland und Südamerika (Molento et al., 2011, Demeler et al., 2009, Pomroy, 2006, Chartier et al., 2001) wurde bereits eine verminderte Wirksamkeit von Anthelminthika in Rinderbeständen beschrieben. Aus diesem Grund sollte die strategische Herdenbehandlung durch alternative Kontrollstrategien ersetzt werden. In der vorliegenden Studie wurden zwei Studien durchgeführt. Innerhalb der ersten Studie wurden neue Behandlungsansätze zur Kontrolle der Infektion von erstsömmrigen Fleischrindern mit Magen-Darm-Nematoden evaluiert. Ziel der zweiten Studie war der Nachweis von BZ-Resistenz durch einerseits den Eizahlreduktionstest (FECRT) und andererseits durch die Anwendung molekularer Techniken für die Detektion von SNPs in C. oncophora und O. Ostertagi.
Die erste Studie wurde in drei Rinderbetrieben im Bundesland Brandenburg in Deutschland durchgeführt. Die Kälber wurden in vier Gruppen eingeteilt: Targeted Treatment (TT; gezielte Herdenbehandlung), Targeted Selective Treatment (TST; gezielte Einzeltierbehandlung), Positivkontrolle (regelmäßige prophylaktische Behandlung) und Negativkontrolle (keine Behandlung). Der Probenzeitraum erstreckte sich über zwei Jahre: zwei Betriebe wurden von Mai bis Oktober 2013 und ein weiterer Betrieb zwischen Juni und November 2014 beprobt. Die Gewichtszunahme (DWG) und der Body Condition Score (BCS) nach (Edmonson et al., 1989) wurden monatlich bestimmt und außerdem Kotproben bei jedem Besuch gesammelt. Die Kotproben der ersten beiden Betriebe wurden mit der modifizierten McMaster-Methode und die des dritten Betriebes mit der Mini-FLOTAC-Methode analysiert. Wenn möglich wurden außerdem Informationen zum Schlachtkörpergewicht, Fett- und Muskeldicke und den Fleischklassen aus dem Schlachthaus gesammelt. Die Behandlung wurde unter Verwendung von Valbazen® SUSPENSION (Wirkstoff Albendazol, ein BZ) durchgeführt. Die Behandlungskriterien waren entweder eine Kombination aus hoher Zahl ausgeschiedener Eier (FEC >100) und einer Abnahme in des DWG (<1,125 kg/Tag) bzw. eines Absinken des BCS.
Die Daten resultierten in einer deutlich positiven Korrelation von Körpergewicht und BCS. Die Infektion mit Magen-Darm-Nematoden war auf allen Betrieben eher gering, mit mittleren FEC-Werten meistens unter 100 und individuellen FEC-Werten, selten 200 überschritten. Diese nur geringgradigen Infektionen hatten keinen Einfluß auf die Produktivität der Kälber in der unbehandelten Kontrollgruppe, jedoch hatte die Behandlung einen signifikanten negativen Effekt auf die Höhe der Eiausscheidung in den behandelten Gruppen. Die statistische Analyse der Daten ergab, daß es keinen signifikanten Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen in der Gewichtszunahme, dem BCS oder dem Schlachtkörpergewicht gibt. Die Zuweisung zu einer der bestimmten Behandlungsgruppe hatte also keinen Einfluß auf die Produktivität der Tiere. Die Positivkontrollgruppe, welche regelmäßig monatlich behandelt wurde, erreichte nicht eine besseres Lebend- oder Schlachtgewicht, generierte allerdings deutlich höhere Produktionskosten in Form der durchgeführten anthelminthischen Behandlungen.
Das Vorkommen von BZ-Resistenz wurde zwischen Juli und Oktober 2014 mittels FECRT auf 11 Betrieben in Brandenburg, Deutschland untersucht. Kotproben wurden vor und nach Behandlung mit Albendazol auf das Vorkommen von Nematodeneiern untersucht. Die statistische Analyse der Daten ergab nur auf einem Betrieb eine reduzierte Wirksamkeit (76%). Allerdings waren auch in 2014 die FECs durchschnittlich sehr niedrig, was die statistische Analyse grundsätzlichen eher schwierig macht. Zusätzlich zu den beprobten Betrieben wurden außerdem Betriebsleiter in Deutschland, Irland und Belgien gebeten, Kotproben von Tieren ihrer Herden (vor Behandlung) einzusenden. Von allen Betrieben wurden Larvenkulturen (auf Betriebsebene) angelegt und aus den daraus erhaltenen Drittlarven DNA gewonnen und diese anschließend in PCRs eingesetzt. Die Artdifferenzierung ergab eine relativ hohe Anzahl von Betrieben, auf denen nur eine Art (entweder Ostertagia oder Cooperia) nachgewiesen werden konnte und nur eine geringe Anzahl von Betrieben in Deutschland und Irland mit gemischten Infektionen. Da jedoch die Anzahl der aus den Kulturen gewonnenen Larven extrem zwischen den Betrieben schwankte (100-500,000 L3), können diese Ergebnisse auch auf eine sehr (zu) geringe Larvenanzahl zurückzuführen sein. Mittels der Pyrosequenzierungsmethode wurden die Ziel-SNPs in Codon 167, Codon 198 und Codon 200 des ß-Tubulin-Gens Isotyp 1 durchgeführt. Diese Untersuchung konnte nur für eine beschränkte Anzahl von Betrieben durchgeführt werden und aufgrund zeitlicher Einschränkungen war nur ein Pyrosequenzierungs-Lauf pro Ziel-Gen möglich. Die Ergebnisse zeigten keine Erhöhung der mit BZ-Resistenz assoziierten SNPs in allen untersuchten Proben. Obwohl die vorliegenden Ergebnisse nur als vorläufig zu sehen sind, stimmen sie mit vorherigen Berichten überein, daß BZ-Resistenz in Europe, im Gegensatz zu Südamerika, Neuseeland oder Australien noch kein Problem darstellt.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit, daß die Produktivität von erstsömmrigen Fleischrindern durch die Anwendung von alternativen Entwurmungskonzepten wie TT oder TST mit einem grundsätzlich geringen Einsatz von Anthelminthika erhalten werden kann. Dies führt auch zu ökonomischen Vorteilen für den Landwirt durch einerseits finanzielle Einsparungen und andererseits einer Verzögerung der Resistenzentwicklung/-ausbreitung. Insbesondere auf Bio-Betrieben, wo prophylaktische Behandlungsansätze nicht mehr erlaubt sind, kann die Anwendung von TT oder TST sehr sinnvoll sein.
Walaa Mostafa Ahmed Saleh
Calves Cooperia oncophora Ostertagia ostertagi animal parasitic nematodes beef cattle benzimidazoles drug resistance faecal egg count polymerase chain reaction single nucleotide polymorphism