Pfeffer-Hoffmann Muslimfeindlichkeit und Migration

Muslimfeindlichkeit und Migration

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Thesen und Fragen zur Muslimfeindlichkeit unter Eingewanderten

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Beschreibung

Muslimfeindlichkeit in der Einwanderungsgesellschaft Christian Pfeffer-Hoffmann Deutschland wird immer stärker von Einwanderung geprägt. Die Einwanderung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war von der Gastarbeitermigration, einer schwankenden Asylmigration, Millionen von Spätaussiedler/-innen und den Flüchtlingen der Jugoslawienkriege bestimmt. Damit sind im Land starke Communities von Menschen mit Wurzeln in der Türkei und im Nahen Osten, in Italien und anderen Ländern Südeuropas, im ehemaligen Jugoslawien, in Polen und in der ehemaligen Sowjetunion entstanden. Der Anfang des 21. Jahrhunderts ging – nach einem Stillstand der Zuwanderung Mitte des ersten Jahrzehnts – zunächst mit einer starken Einwanderung aus den neuen Mitgliedsstaaten der EU, insbesondere aus Polen, Rumänien, Bulgarien und Ungarn einher. Hinzu kommt – insbesondere 2015 – eine schnell wachsende Einwanderung von Flüchtlingen, vor allem aus Syrien, dem Irak, Iran, Afghanistan und Eritrea. Gleichzeitig ist der Beginn des 21. Jahrhunderts von der zunehmenden Verbreitung von islamistisch begründeten Terroranschlägen im Westen und Bürgerkriegen im Nahen und Mittleren Osten geprägt. Konflikte und Probleme im Zusammenleben in unserer Einwanderungsgesellschaft in Deutschland und in der westlichen Welt werden immer weniger sozial oder ökonomisch, stattdessen zunehmend religiös, ethnisch und kulturell interpretiert. Die Auseinandersetzung mit einem kleinen, radikalen Teil der Menschen islamischen Glaubens führt in vielen Fällen zu einer pauschalisierenden Distanz zum Islam und zu Menschen aus islamisch geprägten Ländern – unabhängig davon, ob sie selbst gläubige Muslime sind oder nicht. Es entstehen eigenartige Dichotomien: Wir Deutschen vs. die Muslime. In Umfragen wird der Anteil an Muslim/-innen in Deutschland regelmäßig überschätzt. Ablehnung und Feindseligkeit gegenüber dem Islam und gegenüber Muslim/-innen werden zu einem wesentlichen Thema für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die heftige Zunahme an gegen Flüchtlinge gerichtete Straftaten, die häufig antimuslimisch geprägte Diskussion zur Flüchtlingszuwanderung und die konstant hohen Zu stimmungswerte zu antimuslimischen Einstellungen in sozialwissenschaftlichen Befragungen zeigen, dass Muslimfeindlichkeit zu einer zentralen Herausforderung der politischen Bildung und der Radikalisierungsprävention geworden ist. In diesem Kontext wurde die Auseinandersetzung mit Muslimfeindlichkeit 2014 durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend als eines der Ziele des Programms „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ festgelegt. Dabei konnte bereits auf die Erfahrungen einer Reihe von Modell- und Forschungsprojekten zum Thema Islam- bzw. Muslimfeindlichkeit in Deutschland zurückgegriffen werden. Eines der neuen Projekte, das 2015 im Förderprogramm startete, ist WIR HIER! Kein Platz für Muslimfeindlichkeit in Europa – Migrantenorganisationen im Dialog. Es wird getragen von einem Projektverbund aus zwei Migrantenselbstorganisationen – La Red - Vernetzung und Integration e.V. und agitPolska – Polnisch - Deutsche Initiative für Kulturkooperation e.V. – und von Minor – Projektkontor für Bildung und Forschung e.V. als Modell- und Forschungsprojektträger. WIR HIER! greift eine in der Vergangenheit wenig beachtete und vor allem bisher kaum bearbeitete Form der Islam- bzw. Muslimfeindlichkeit in Deutschland auf: Diese findet sich innerhalb der nicht-muslimisch geprägten Migrantencommunities in Deutschland, z. B. russischer, polnischer, spanischer, serbischer, kroatischer, italienischer, griechischer und französischer Herkunft. Mehrheitlich christlich geprägte Einwanderungsgruppen bringen nicht selten gewachsene Vorurteilsstrukturen und tradierte feindselige Einstellungsmuster bereits aus ihren Heimatländern mit, die hier unter den besonderen Bedingungen der Einwanderungssituation entweder verstärkt werden oder einfach in der täglichen, sozialräumlichen "Verteilungskonkurrenz" um knappe Ressourcen wie Ausbildung, Arbeitsstellen oder Wohnraum, entstehen und/oder offen zutage treten. Oft bilden die gleichen Sozialräume – vor allem großstädtische Quartiere – die Ankunftsräume für Neueinwandernde aus, in denen dann z. B. türkische Communities mit süd- und osteuropäischen Eingewanderten und arabischen Flüchtlingen zusammenleben. In diesem bislang wenig bearbeiteten Handlungsfeld geht es darum, wirksame Formen der Information und Aufklärung sowie der primären und sekundären Prävention für junge Menschen zu entwickeln sowie Begegnung und Austausch zwischen nicht-muslimisch und muslimisch geprägten Organisationen über aktive Vernetzungsarbeit zu entwickeln. Die Besonderheit des Projekts liegt zunächst darin, dass das Thema Muslim-/Islamfeindlichkeit in mehreren, in diesem Zusammenhang wenig beachteten, Migrantengruppen als Teil der Gesellschaft in Deutschland thematisiert wird und darüber hinaus konkrete Angebote zur Auseinandersetzung und Prävention unterbreitet werden. Während bisherige Ansätze zur Auseinandersetzung mit Islam- bzw. Muslimfeindlichkeit vor allem auf den Abbau von Vorurteilen und Diskriminierung zwischen muslimisch geprägten (tatsächlich oder zugeschrieben) und der „deutschen“ Mehrheitsbevölkerung ausgerichtet sind, nimmt WIR HIER! junge Menschen mit nicht-muslimisch geprägtem Migrationshintergrund in den Fokus, die in einem Einwanderungsland wie Deutschland bisher den überwiegenden Teil der Neuzuwanderung und wesentliche Teile der jungen Bevölkerung, vor allem in Großstädten, ausmachen. WIR HIER! greift noch ein weiteres Problem in diesem Kontext auf: Bisher gibt es kaum empirisches Wissen und keine wissenschaftlichen Veröffentlichungen für dieses spezifische Handlungsfeld. Minor ist deshalb im Projektverbund für erste wissenschaftliche Analyseschritte zum Thema „Muslimfeindlichkeit in Migrantencommunities“ zuständig. Im Kontext dieser Bemühungen ist dieses Buch entstanden. Minor hat 2015 zunächst den Forschungsstand zu Muslimfeindlichkeit zusammengetragen und dabei besonders nach Hinweisen gesucht, die Aussagen über Einstellungen zum Islam und zu Muslim/-innen durch nicht-muslimische geprägte Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland zulassen. Um selbst empirische Erkenntnisse zu gewinnen, wurden zum einen die Teilnehmenden der pädagogischen Aktivitäten von WIR HIER! qualitativ befragt. Zum anderen konnte in eine große quantitative Umfrage unter europäischen Neuzugewanderten in Berlin (im Rahmen eines anderen Projektes von Minor) auch eine Frage zum Thema integriert werden. Schließlich führten wir Ende des Jahres 2015 ein Forschungs-Colloquium durch, in dem wir Wissenschaftler/-innen und Publizist/-innen zu Beiträgen und zur Diskussion einluden. Der Aufbau des Buches entspricht diesem Vorgehen: Nach einer kurzen Vorstellung des Projektes WIR HIER! in Kapitel 2 gehen die Kapitel 3 und 4 vor allem auf grundsätzliche Definitionen zu Muslim- und Islamfeindlichkeit sowie Erkenntnisse aus der Meinungsforschung zu diesen Themen ein. Dabei wird noch einmal deutlich, wie wenig bisher über Muslimfeindlichkeit nichtmuslimisch geprägter Einwanderungsgruppen bekannt ist. In Kapitel 5 werden dann unsere eigenen empirischen Arbeiten vorgestellt. Angesichts der kurzen Dauer und sehr begrenzten Ressourcen können diese nur erste Hinweise auf Tendenzen und Fragestellungen im Themenbereich geben. Weitere Thesen und Fragen ergeben sich aus den Beiträgen auf dem Colloquium, die in Kapitel 6 versammelt sind. Uns ist bewusst, dass wir nur erste, kleine Hinweise für eine Auseinandersetzung mit Muslimfeindlichkeit in der Einwanderungsgesellschaft zusammentragen konnten. Wir hoffen, damit trotzdem zur Entwicklung von wirksamen und differenzierten Analysen und Präventionsansätzen zu Muslimfeindlichkeit beitragen zu können. WIR HIER! wird seine Arbeit in den kommenden Jahren fortsetzen und damit weiter an einem Abbau von Vorurteilen und Feindseligkeit in der Einwanderungsgesellschaft arbeiten. Christian Pfeffer-Hoffmann ist Vorstandsvorsitzender von Minor – Projektkontor für Bildung und Forschung e.V., promovierter Medienpädagoge mit zahlreichen Publikationen sowie vielfältigen Modell- und Forschungsprojekten in den Kontexten Migration, berufliche, politische und Medienbildung, Fachkräftesicherung u. a., Leiter der IQ Fachstelle „Einwanderung“.

Autor*in

Christian Pfeffer-Hoffmann

Themen in »Muslimfeindlichkeit und Migration«

Einwanderung Islam Islamfeindlichkeit Migration Muslim Muslimfeindlichkeit

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Details

ISBN: 9783863876746
Verlag: Mensch & Buch
Erscheinung: 11.04.2016

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