Untersuchungen zur Wirksamkeit ausgewählter Anthelminthika gegen Strongyliden-Infektionen bei Pferden im Bundesland Brandenburg
Pferde, denen unter intensiven Haltungsbedingungen Weidegang gewährt wird, sind täglich den infektiösen Stadien von Endoparasiten ausgesetzt und nehmen diese zusammen mit dem Weidegras auf. Pferdehalter, Stallbetreiber und auch Tierärzte haben in den letzten Jahrzehnten für die Wurmkontrolle stark auf die Wirksamkeit kommerziell erwerblicher Anthelminthika gesetzt. Dies führte zu einer Abnahme im Auftreten der vormals weit verbreiteten Großen Strongyliden und der mit ihnen assoziierten Kolik-Symptomatik. Mittlerweile sind Cyathostominae (CYA) die wichtigsten Endoparasiten des Pferdes; sie treten weltweit bei allen Equiden auf, und auch von ihnen geht ein hohes Pathogenitätsrisiko aus. Bekämpfungsmaßnahmen basieren traditionell auf dem regelmäßigen Einsatz von Anthelminthika; allerdings treten mittlerweile vermehrt Anthelminthika-Resistenzen auf. Derzeit sind auf dem Markt drei verschiedene Klassen von Anthelminthika erhältlich, die alle über einen unterschiedlichen Wirkmechanismus verfügen: Benzimidazole (BZ), Tetrahydropyrimidine und Makrozyklische Laktone (ML). Resistenzen der CYA sind allen drei Klassen gegenüber beschrieben worden. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die Wirksamkeit zwei verschiedener Anthelminthika im Bundesland Brandenburg zu überprüfen: Ivermectin (IVM), ein ML, und Pyrantel (PYR), ein Tetrahydropyrimidin. Zur Überprüfung der Wirksamkeit dieser Mittel wurden in zwei aufeinanderfolgenden Jahren zwei Eizahlreduktionstests (EZRTs) durchgeführt. Für den Wirkstoff Ivermectin war es außerdem Ziel der Arbeit, eine eventuelle Verkürzung der sogenannten Egg Reappearance Period (ERP), also der Zeit zwischen der Entwurmung und dem Wiederauftreten von Wurmeiern im Kot, festzustellen.
Auf Grundlage der in einer Prävalenzstudie aus dem Jahr 2006 im Bundesland Brandenburg erhobenen Daten wurden für die vorliegende Studie 24 pferdehaltende Betriebe ausgewählt. Diese wiesen im Vergleich zu anderen Höfen Brandenburgs eine überdurchschnittlich hohe Eiausscheidung von CYA auf. Die Pferde werden stundenweise bzw. ganztägig auf der Weide gehalten. Es wurden Betriebe, die höchstens zweimal pro Jahr entwurmen, mit Betrieben verglichen, die mindestens viermal pro Jahr entwurmen. Dieser Unterteilung liegt die Annahme zugrunde, dass häufiges Entwurmen die Entstehung von Resistenzen gegen Anthelminthika fördert. Im Jahr 2007 wurde im Spätsommer und Herbst mit IVM ein EZRT auf 23 der 24 Betriebe und mit insgesamt 428 Pferden durchgeführt. Im Sommer 2008 wurde mit PYR auf 21 der 24 Betriebe mit insgesamt 414 Pferden ein EZRT durchgeführt.
Die Analyse der Kotproben erfolgte mithilfe einer modifizierten McMaster-Technik. Die Nachweisgrenze lag bei 25 Eiern pro Gramm Kot (EPG). Die Bestimmung des Körpergewichtes erfolgte bei allen Pferden zunächst durch Schätzung, deren Ergebnis mit Hilfe eines handelsüblichen Maßbandes überprüft wurde. Die Dosierung des Anthelminthikums erfolgte nach Herstellerangaben gemäß Gewicht. Pferde aller Altersstufen ab einem Alter von sechs Monaten wurden in die Studie aufgenommen.
Der im Jahr 2007 mit IVM durchgeführte EZRT wurde analog zu den Empfehlungen der World Association for Advancement in Veterinary Parasitology (WAAVP) berechnet. Diese Empfehlungen sehen bei Rindern eine EZR <95% und ein unteres 95% Konfidenzintervall von <90% als einen Hinweis für das Vorhandensein von Resistenzen an. Für Pferde wird bei BZ eine EZR von <90% als auf Resistenz hinweisend angesehen, und es wird kein Konfidenzintervall genannt. In Analogie hierzu wurde in der vorliegenden Studie eine EZR von <90% mit einem unteren 95% Konfidenzintervall von <85% als Grenzwert angesehen. Für IVM wurde auf 21 der 23 Betriebe eine EZR von 100% festgestellt. Auf den übrigen beiden Betrieben (8,7%) wurde bei jeweils einem Pferd eine Eiausscheidung festgestellt. Diese war minimal und betrug jeweils 25 EPG. Dadurch wurde die EZR auf den Betrieben auf 99,7%, bzw. 98,3% gesenkt. Die Entwurmung erfolgte auf diesen zwei Betrieben zweimal im Jahr oder seltener. Eine Verkürzung der ERP wurde für IVM nicht festgestellt.
Der Grenzwert, ab dem von einer Resistenz gesprochen werden kann, wird in der Literatur kontrovers behandelt, ebenso, wie die Frage, welche Methode zur Berechnung der EZR angewendet werden sollte. In der vorliegenden Studie wurde das Vorhandensein von Resistenz nach zwei verschiedenen Kriterien definiert: 1. analog zu den Empfehlungen der WAAVP für BZ bei Pferden: EZR < 90% mit einem unteren 95% Konfidenzintervall von <80% (in Analogie zu Lester et al. (2013) und Relf et al. (2014)), und 2. zusätzlich mit dem oberen 95% Konfidenzintervall von <95% (von Lyndal-Murphy et al. empfohlen). Um die Auswirkungen verschiedener Berechnungsmethoden auf das Ergebnis beurteilen zu können, wurden drei verschiedene Methoden für die Berechnung der EZR auf die Daten des EZRT mit PYR im Jahr 2008 angewandt:
Zunächst wurde die EZR nach der von der WAAVP empfohlenen Methode berechnet, und es wurden auch deren Kriterien für die Detektion einer Resistenz angewandt; hiermit wurde auf vier Betrieben (19%) eine Resistenz festgestellt. Desweiteren wurde eine bootstrapping-Methode angewendet, mit der die Berechnung mit vier verschiedenen Formeln durchgeführt wurde. Diese vier Formeln ergaben sehr unterschiedliche Ergebnisse: mit Formel 1 wurde eine EZR <90% auf sieben Betrieben festgestellt, mit den Formel 2 und 3 auf jeweils vier Betrieben und mit Formel 4 auf einem Betrieb. Drittens wurde eine Markov Chain Monte Carlo (MCMC) Methode für die Berechnung verwendet, mit der auf 17 Betrieben (73,9%) eine Resistenz festgestellt wurde. Mit den Kriterien nach Lyndal-Murphy et al. wurde für alle drei Berechnungsmethoden lediglich auf Hof N°2 eine Resistenz festgestellt.
Es gab große Unterschiede zwischen den Ergebnissen der statistischen Methoden mit den Kriterien der WAAVP; bei Einbeziehung des oberen 95% Konfidenzintervalls hingegen fielen die Ergebnisse aller drei Methoden sehr ähnlich aus, da jeweils ausschließlich Hof N°2 als resistent erkannt wurde. Daher sollte in Zukunft auch das obere Konfidenzintervall für die Interpretation der Daten von FECRT herangezogen werden.
Die Ergebnisse nach Berechnung gemäß den Empfehlungen der WAAVP lassen darauf schließen, dass die Wirksamkeit von PYR bei Pferden in Brandenburg im Allgemeinen als akzeptabel anzusehen ist. Dagegen kann bei vier Betrieben davon ausgegangen werden, dass eine nicht sensitive Population kleiner Strongyliden besteht. Von diesen vier Betrieben entwurmen zwei Betriebe höchstens zweimal pro Jahr und zwei Betriebe mindestens viermal pro Jahr. Die These, dass häufiges Entwurmen eine Resistenzentwicklung fördert, konnte in der vorliegenden Studie somit nicht bestätigt werden. Allerdings war es nicht möglich festzustellen, welche Wirkstoffklassen in der Vergangenheit eingesetzt wurden, da keiner der Betriebe exakte Aufzeichnungen hierüber führt. Es ist dennoch zu empfehlen, dass auf diesen Betrieben im Rahmen eines Programms zur Kontrolle des Endoparasitenbefalls regelmäßige EZRTs durchgeführt werden.
Es besteht die Notwendigkeit einer grundsätzlichen Übereinkunft zur Berechnung von EZRTs; außerdem sollten für die einzelnen Wirkstoffgruppen Grenzwerte definiert werden, ab denen vom Vorhandensein einer Resistenz ausgegangen werden kann. Berichte aus mehreren Ländern über vermehrt auftretende Resistenzen bei Helminthen des Pferdes haben alternative Bekämpfungsmaßnahmen in den Fokus gerückt. Da der Marktanteil der Anthelminthika für Pferde von der pharmazeutischen Industrie nicht als wichtig genug erachtet wird, um in die Entwicklung neuer Wirkstoffklassen zu investieren, kann eine zukunftsfähige Wurmkontrolle nicht ausschließlich auf der Verwendung von Anthelminthika basieren. Dem Erhalt der Wirksamkeit der vorhandenen Anthelminthika ist eine ebenso hohe Bedeutung beizumessen wie der Einbindung tierärztlicher Expertise in die Planung und Durchführung der Wurmkontrolle unter Berücksichtigung der Epidemiologie der Parasiten.
Juliane Katharina Fischer
Anthelmintics Brandenburg Cyathostomum drug resistance faecal egg count horses