Nach 1945 musste auch die Physik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena neu beginnen. Der Autor zeichnet nach, wie sich dort zwischen 1946 und 1968 die Kernphysik als Lehr- und Forschungsgebiet etablierte: unter schwierigen Nachkriegsbedingungen, im Spannungsfeld von Wissenschaftspolitik, technischer Ausstattung, internationaler Atomeuphorie und den besonderen Strukturen der DDR-Forschung.
Im Mittelpunkt steht das Technisch-Physikalische Institut und sein langjähriger Direktor Alfred Eckardt (1903–1980). Unter seiner Leitung entstanden die Voraussetzungen für eine eigenständige kernphysikalische Forschung in Jena – von ersten Arbeiten mit kosmischer Höhenstrahlung über den Aufbau niedrigenergetischer Beschleunigerphysik bis zu Betatronen, Van-de-Graaff-Generator, Detektoren- und Massenspektrographenarbeiten. Damit gewann Jena in den 1950er- und frühen 1960er-Jahren ein charakteristisches Profil innerhalb der DDR-Physik.
Ein besonderes Dokument ist die lange verschollene »Erklärung der Jenaer Physiker« vom 25. April 1957, in der Jenaer Wissenschaftler kurz nach der »Göttinger Erklärung« gegen den Einsatz von Atomwaffen Stellung bezogen. Sie wird in diesem Band erstmals als Faksimile zugänglich gemacht, der die Reihe Jenaer Beiträge zur Geschichte der Physik eröffnen und ein weitgehend unbekanntes Kapitel der Jenaer Universitäts- und Physikgeschichte sichtbar macht: den Aufstieg, die produktivste Phase und das Ende der »klassischen« Kernphysik an der FSU Jena mit Eckardts Emeritierung und der Hochschulreform von 1968.
https://doi.org/10.47261/1514
Bernd Helmbold
Physikgeschichte Wissenschaftsgeschichte Kerntechnik Friedrich-Schiller-Universität Jena Kernphysik Eckardt, Alfred (1903–1980) Technisch-Physikalisches Institut Jena Universitätsgeschichte Kernphysikalische Forschung Physik in der DDR Hochschulgeschichte Forschungspolitik Nachkriegszeit Beschleunigerphysik Betatron