Unter Interkomprehension versteht man eine Kommunikationspraxis, bei der Sprecher eng verwandte Sprachen verwenden. Wir wissen, dass der Grad der gegenseitigen Verständlichkeit je nach Stimulusmodalität unterschiedlich ist. Diese Arbeit zielt darauf ab, die linguistischen Merkmale zu definieren, die zum sprachübergreifenden Verstehen von Sprache beitragen bzw. es behindern. Dies geschieht durch Produktions- und Wahrnehmungsstudien mit Sprechern von vier slawischen Sprachen. Die aktuelle Studie kombiniert das methodische Instrumentarium der akustischen Phonetik und der Informationstheorie, um Beweise für die gegenseitige Verständlichkeit auf verschiedenen Ebenen der Sprachverarbeitung zu liefern. Sie kommt zu dem Schluss, dass der Grad des gegenseitigen Verstehens nicht immer mit typologischen Einteilungen der untersuchten Sprachen übereinstimmt. Die hier vorgestellten Ergebnisse deuten darauf hin, dass das gegenseitige Verstehen oft eher durch die (Un-)Erwartbarkeit der Einheit als durch die phonetische Ähnlichkeit eines wahrgenommenen Stimulus und seine Äquivalenz im muttersprachlichen Lexikon der Sprecher bestimmt wird.
Jacek Kudera
Slawische Sprachen Multilingualismus Phonetik Informationstheorie