Mineralische Rohstoffe und ihre Produkte sind unverzichtbar für das tägliche Leben und finden in einer Vielzahl von Industriezweigen Verwendung. Sie werden beispielsweise in der Bauwirtschaft, der Lebensmittel-, der Pharma- und der Papierindustrie benötigt, um nur einige Einsatzbereiche zu nennen. In der deutschen Kies-/Sand- und Natursteinindustrie (inklusive Kalksteingewinnung) gab es im Jahr 2011 rund 1.600 Unternehmen mit etwa 3.160 Werken und 26.800 Beschäftigten. Die jährlich produzierten Mengen liegen derzeit bei rund 500 Mio. Tonnen. Damit besitzen die genannten Rohstoffe einen Anteil von etwa 73 % an der
gesamten Rohstoffförderung in Deutschland [MIR12]. Aufgrund der vielseitigen Verwendung und der wirtschaftlichen Bedeutung sind die Rohstoffgewinnung und -versorgung auch zukünftig sicherzustellen. Dabei sind auch bestehende Umweltanforderungen zu berücksichtigen, denn die Gewinnung und Aufbereitung von Steine- und Erdenerzeugnissen ist potentiell mit Emissionen verbunden. Dies gilt insbesondere für die Entstehung von Lärm und Staub. Die Sicherung der Luftqualität ist innerhalb der europäischen Umweltpolitik von zentraler Bedeutung. Feinstaub (PM10) wird als Luftschadstoff angesehen und als gesundheitsgefährdend
eingestuft. Zum Schutz der Umwelt und des Menschen gelten daher innerhalb der Europäischen Union einheitliche Beurteilungskriterien der Luftqualität sowie Grenzwerte, die mit der Pflicht ihrer Überwachung und der Ergreifung von Maßnahmen zu ihrer Einhaltung einhergehen. Maßnahmen zur Staubbekämpfung haben für die überwiegend kleinen und mittelständischen Gewinnungsbetriebe der Steine- und Erdenindustrie planerische, technische und ökonomische Konsequenzen. Der Einsatz von Staubminderungsmaßnahmen ist daher sowohl hinsichtlich der Wirksamkeit als auch in Bezug auf die Verhältnismäßigkeit zu prüfen und zu bewerten. Grundlage für einen gezielten und effizienten Einsatz von Maßnahmen ist die genaue Kenntnis der wesentlichen Emittenten in Tagebauen und der von ihnen ausgehenden Emissionen. Bislang gibt es jedoch kaum Erkenntnisse darüber, in welchem Maße Feinstaubkonzentrationen in Tagebauen der Steine- und Erdenindustrie auftreten. Umfangreichere Untersuchungen wurden in Deutschland bisher in erster Linie für Braunkohlentagebaue und international auch für Steinkohlentagebaue durchgeführt. Das Ziel dieser Arbeit und der ihr zugrunde liegendenUntersuchungen war es daher, erstmalig die Emissionen maßgeblicher Feinstaubquellen in Tagebauen zu quantifizieren und darüber hinaus die durch sie hervorgerufene Immissionszusatzbelastung in ihrem Umfeld zu ermitteln. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse kann auf
Betriebspunkte mit Minderungsbedarf geschlossen werden. Der Vergleich von Feinstaubemissionen an gleichen Anlagenteilen bzw. Betriebspunkten mit oder ohne Staubschutzmaßnahmen ermöglicht außerdem eine Beurteilung der emissionsmindernden Wirksamkeit. Anhand der Ergebnisse wird eine Typisierung der Untersuchungstagebaue hinsichtlich relevanter Feinstaubquellen und Minderungsmaßnahmen vorgenommen. Letztere werden den Tagebautypen in Abhängigkeit der Notwendigkeit sowie ihrer Verhältnismäßigkeit bewertend zugeordnet. Die in diese Arbeit einfließenden Untersuchungsergebnisse fußen in Teilen auf einem von der Verfasserin durchgeführten Forschungsprojekt mit dem Titel „Untersuchungen zum Einfluss der Rohstoffgewinnung auf die Feinstaubkonzentration in ihrer Umgebung – Quellenidentifizierung und -quantifizierung zur gezielten Entwicklung staubmindernder Maßnahmen“. Das Projekt wurde durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.
Rebeca Böhner
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