Conrad Völker Völker Entwicklung und messtechnische Validierung der Kopplung von CFD-Simulation mit einem thermophysiologischen Modell zur Bestimmung der thermischen Behaglichkeit

Entwicklung und messtechnische Validierung der Kopplung von CFD-Simulation mit einem thermophysiologischen Modell zur Bestimmung der thermischen Behaglichkeit

von Conrad Völker

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Beschreibung

Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit 1. Die Ansprüche sowohl des Nutzers als auch der Normung bezüglich der thermischen Behaglichkeit sind in der Vergangenheit stark gestiegen. Die daraus resultierenden Anforderungen an das Raumklima, das sich verändernde Außenklima sowie das Ziel der Energieeffizienz stellen Fachplaner vor komplexe Aufgaben. 2. Diesen Ansprüchen werden die bisher verwendeten Modelle und Ansätze zur Bestimmung der thermischen Behaglichkeit aus verschiedenen Gründen häufig nicht gerecht. Deutlich wird dies beispielsweise bei Beschwerde-Statistiken, welche den Verbesserungsbedarf der klimatischen Verhältnisse in Gebäuden offen legen. 3. Eine Verbesserung dieser Zustände würde nicht nur zu einer höheren Wohn- und Arbeitsqualität führen, sondern auch einen ökonomischen Nutzen durch einen geringeren Krankenstand, Einsparung von Kosten im Gesundheitssystem und eine erhöhte Produktivität haben. 4. Daraus kann die Notwendigkeit neuer Methoden abgeleitet werden. Zielstellung der Arbeit ist daher die Entwicklung eines neuen Ansatzes, mit dem die thermische Behaglichkeit auch unter komplexen raumklimatischen Gegebenheiten bestimmt werden kann. Eine Möglichkeit bietet die Kopplung der Strömungssimulation (CFD) an ein numerisches Modell, welches die Thermophysiologie des menschlichen Körpers abbildet. Stand der Wissenschaft 5. Es existieren zahlreiche nationale, europäische und internationale Normen und Richtlinien, die sich mit der thermischen Behaglichkeit beschäftigen. Die Anwendbarkeit dieser Normen in der Praxis ist nur bedingt gegeben. 6. Das von FANGER entwickelte PMV-Modell (Predicted Mean Vote) bildet als Bestandteil der internationalen Normung die derzeitige Grundlage zur Bewertung der thermischen Behaglichkeit. Das PMV-Modell ist allerdings eher für die Bewertung eines homogenen Raumklimas geeignet. 7. In den letzten Jahren sind verschiedene numerische Modelle entwickelt worden, die die menschliche Thermophysiologie (z.B. HUIZENGA, TANABE, FIALA) abbilden und darauf basierend eine Bestimmung des Komforts ermöglichen (z.B. ZHANG). 8. Das derzeit am weitesten entwickelte Thermoregulations- und Komfortmodell ist das im Rahmen dieser Arbeit verwendete und weiterentwickelte UCBerkeley Thermal Comfort Model. Eingesetzte Methoden 9. Für eine Validierung des UCBerkeley Thermal Comfort Models wurden in der Fachliteratur dokumentierte, am Menschen durchgeführte Untersuchungen für einen umfangreichen Vergleich zwischen Simulation und Realität herangezogen. 10. Zur messtechnischen Validierung der CFD-Simulationen wurde eine Klimakammer aufgebaut. Um den Einfluss des menschlichen Körpers auf die Temperatur- und Strömungsverhältnisse zu berücksichtigen, wurde ein thermisches Manikin eingesetzt. 11. Die Erfassung der Raumluftströmung erfolgte mit Hilfe des Verfahrens Particle Streak Tracking (PST), welches Strömungsgeschwindigkeit und -richtung mit Hilfe von der Raumluft beigegebenen Partikeln ermittelt. 12. Zur Visualisierung des den menschlichen Körper umgebenden Mikroklimas wurde die Thermographie eingesetzt. Weil mit diesem Verfahren lediglich Oberflächen-, jedoch nicht die Lufttemperaturen erfasst werden können, wurde eine Hilfsschicht um das thermische Manikin errichtet. 13. Da die Genauigkeit von PST und Thermographie nur schwer abzuschätzen ist und stark von den jeweiligen messtechnischen Bedingungen abhängt, wurde der Messaufbau um herkömmliche Sensoren (NTC, Anemometer) ergänzt. 14. Um ein möglichst exaktes Abbild des Messaufbaus in die Simulation zu übertragen, wurde auf ein 3d-Laserscanning-Verfahren zur Implementierung der komplexen Geometrie des thermischen Manikins zurückgegriffen. 15. Im Zuge einer umfangreichen Literaturrecherche kristallisierten sich drei Turbulenzmodelle als für die Simulation der Raumluftströmung und das den Menschen umgebende Mikroklima geeignet heraus: (1) low-Reynolds k-e, (2) V2F und (3) k-w-SST. 16. Die Diskretisierung des Raumes erfolgte durch ein dreidimensionales Gitter (Polyeder), welches aufgrund hoher Gradienten um den menschlichen Körper verfeinert wurde. Bestehend aus etwa 1,6 Millionen Zellen stellt das Gitter entsprechend hohe Anforderungen an die Rechentechnik. 17. Zur Validierung der CFD-Simulation wurden in der vorliegenden Arbeit die jeweiligen Einsatzbereiche systematisch mit experimentellen Daten abgeglichen. Fokus dieser Validierung war die Auswahl des für die Anwendung geeigneten Turbulenzmodells. 18. Nach der Validierung erfolgte die Entwicklung eines mathematisch-physikalischen Ansatzes zur Kopplung von CFD und dem thermophysiologischen Modell. 19. Die Implementierung der entwickelten Kopplung wurde über ein Java-Skript umgesetzt. Ergebnisse 20. Im Rahmen der Validierung des UCBerkeley Thermal Comfort Models konnte festgestellt werden, dass das Modell die menschliche Körpertemperatur mit guter Genauigkeit simuliert. Die Funktionsweise des Modells konnte nicht falsifiziert werden, womit das Modell für die untersuchten Randbedingungen als abgesichert bezeichnet werden kann. 21. Der Einsatz der innovativen Verfahren Thermografie und PST erwies sich als geeignet. Beide Methoden sind, unter Berücksichtigung kleinerer Einschränkungen, für die Visualisierung und messtechnische Erfassung des Raumklimas geeignet. 22. Bei der Anwendung des PST sind grundlegende Kenntnisse der Strömung wichtig, nicht zuletzt um einen geeigneten Algorithmus zur zeitlichen und räumlichen Mittelung der Messergebnisse auszuwählen. Erst durch diese Mittelung konnte eine Vergleichbarkeit mit der durch die Reynolds- Averaged-Navier-Stokes-Gleichungen (RANS) gemittelten Simulation geschaffen werden. 23. Die Thermografie weist kleine Schwachstellen auf. Hauptursache ist der Strahlungsaustausch mit den umgebenden Flächen, der die Messergebnisse bei ungünstigen Randbedingungen beeinflussen kann. Aus diesem Grund ist die Auswahl geeigneter Messstellen von entscheidender Bedeutung. 24. Die Kontrolle der Verfahren PST und Thermographie mit konventionellen Sensoren (NTC, Anemometrie) erwies sich als nötig. Die Instabilität und Turbulenz der Strömung bedingte eine zeitliche Mittelung der Messungen, um diese mit der Simulation (RANS) vergleichen zu können. 25. Durch die Messungen konnten neue Erkenntnisse über das den Menschen umgebende Mikro- und Raumklima gewonnen werden. Die Messdaten werden anderen Wissenschaftlern beispielsweise am Massachusetts Institute of Technology zur Verfügung gestellt. 26. Die durch die Implementierung des 3d-Laserscans erzielte Genauigkeit ermöglicht eine Ermittlung der segmentbezogenen raumklimatischen Bedingungen zur Bestimmung der lokalen thermischen Behaglichkeit sowie die Validierung der CFD-Simulation. Darüber hinaus wird der Scan an der UCBerkeley in das Strahlungsmodell des Thermoregulationsmodells integriert. 27. Beim Vergleich der Turbulenzmodelle zeigte sich, dass das k-w-SST Turbulenzmodell die beste Übereinstimmung aufwies. Ursache könnte die in diesem Modell implementierte Blending- Funktion sein, die im freien Raum das k-e-Modell, in Wandnähe aber das k-w-Modell verwendet. 28. Die Abweichungen zwischen der k-w-SST-Simulation und der Messung liegen größtenteils unter der Messgenauigkeit. Die CFD-Simulation kann damit für die untersuchten Bereiche als abgesichert gelten, da das verwendete Modell nicht falsifiziert werden konnte. 29. Nach der erfolgreichen Validierung sowohl des Thermoregulations- als auch des CFD-Modells wurden beide über eine Schnittstelle miteinander gekoppelt. Durch diese Kopplung ist im Rahmen der Arbeit ein Modell zur Bestimmung der lokalen thermischen Behaglichkeit basierend auf lokalen klimatischen Parametern entstanden. 30. In der Arbeit wurden verschiedene mathematisch-physikalische Ansätze entwickelt, die die Ermittlung und Übergabe der lokalen klimatischen Parameter ermöglichen. Im Gegensatz zu den bisherigen pauschalisierten Ansätzen sind diese allgemeingültig. 31. Die entwickelte Schnittstelle übergibt nicht wie bisher die Luftgeschwindigkeit, sondern ermittelt den Wärmeübergangskoeffizienten direkt aus der CFD-Simulation. Wie eigene Messungen und Simulationen zeigen, wird dadurch die Genauigkeit des Verfahrens deutlich erhöht. 32. Die Fähigkeiten der entwickelten Kopplung wurden beispielhaft zur Untersuchung einer Fußbodenkühlung und dem daraus resultierenden heterogenen Raumklimas angewendet. Dabei zeigte sich, dass diese aus ökonomischer und energetischer Sicht viel versprechende Art der Raumklimatisierung die thermische Behaglichkeit gewährleisten kann. 33. Die im Rahmen dieser Arbeit gewonnenen Erkenntnisse und entwickelten Konzepte werden an der UCBerkeley in das bestehende Komfortmodell implementiert. Darüber hinaus können die neuen Kenntnisse nicht nur zur Kopplung zwischen CFD und der menschlichen Thermoregulation genutzt werden, sondern bieten auch Potential für zukünftige Forschungsthemen in anderen Bereichen (z.B. Luftqualität, Übertragung von Krankheitserregern, etc.). 34. Durch den 3d-Laserscan des thermischen Manikins, die Validierung sowie die Kopplung der Modelle ist ein belastbares Werkzeug entstanden, mit dem die thermische Behaglichkeit unter vielseitigen Bedingungen detailliert ermittelt werden kann. Dazu zählen neben der Anwendung in der Gebäudeplanung auch andere Bereiche mit komplexen klimatischen Gegebenheiten (z.B. Fahrzeugindustrie). Durch diese Entwicklung werden zukünftig neue Lösungen für ein auf die Nutzungsanforderungen abgestimmtes, thermisch behagliches Raumklima unter Berücksichtigung der Energieeffizienz möglich. 35. Weiterführend wurde eine erweiterte Modellierung des Wärme- und Feuchtetransports durch Textilien vorgestellt, die durch die Einbindung verschiedener Effekte eine höhere Genauigkeit bietet. Dazu zählen der Einfluss der Bewegung des Menschen sowie der Luft auf den sensiblen als auch latenten Wärmetransport durch die Kleidung. Des Weiteren wurde auf die Speicherung von Feuchtigkeit (Regain) in der Kleidung eingegangen. Die Modellierung des Wärme- und Feuchtetransports durch Textilien bietet Potential für weitere Forschungsarbeiten.

Autor*in

Conrad Völker

Stimmen zu »Entwicklung und messtechnische Validierung der Kopplung von CFD-Simulation mit einem thermophysiologischen Modell zur Bestimmung der thermischen Behaglichkeit«

Details

ISBN: 9783860684658
Verlag: Verlag der Bauhaus-Universität Weimar
Erscheinung: 17.02.2012

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