Der Roman spielt im Puschlav und im Veltlin gegen Ende der Fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Eine Zeit, in der jährlich Tausende Tonnen Kaffee und Millionen von Zigarettenstangen die Grenze von Südbünden ins Veltlin passierten. Für Italien war es Schmuggel, für die Schweiz tolerierter, also gesetzmässiger Handel, ›Export zwei‹ genannt. Es war eine gewinnbringende Tätigkeit, die weitgehend in den Händen von Schweizer und Veltliner Unternehmern lag, welche die Waren durch Legionen von Trägern über die Grenzen schmuggeln liessen. In diesem Umfeld gab es im Puschlav aber auch kleinere Akteure, die auf eigene Faust und Risiko versuchten, sich ein Stück vom Kuchen abzuschneiden. Die einen richteten sich Kaffeeröstereien im Tal ein, rösteten und lieferten Kaffee über die Grenze, die anderen organisierten den Warentransport, andere suchten ihre Komplizen in Italien und wagten sich auf eigene Faust mit vollgestopften Fahrzeugen über die Grenze bis in die Städte der nahen Lombardei. Das ist der Fall bei Carlo, dem Hauptdarsteller des Romans, der der Not gehorchend sein Studium vorübergehend an den Nagel hängt.
Aus einer geregelten kleinbürgerlichen Umgebung stammend, taucht er ein in eine bunte Halbwelt, wo die Illegalität nicht selten an die Grenzen der Kriminalität stösst. Da das Geschäft gut läuft, verwickelt er mit der Zeit Familienangehörige und Freunde in seinen Handel, der bis nach Mailand und Brescia reicht. Er entdeckt dabei die Realität der in der Kriegs- und Nachkriegszeit leidgeprüften Veltliner, die Solidarität mit armen Leuten, arbeitet an sich, und es gelingt ihm, nicht ohne bittere Erfahrungen, menschlich reifer zu werden und sich aus dem Milieu zu befreien. Das Buch wurde beim Erscheinen sowohl in der Südschweiz wie auch im Veltlin von der Kritik nicht nur als Schmuggel-, sondern auch als Bildungsroman begrüsst und war in kurzer Zeit vergriffen. Obwohl der ›Export zwei‹ in der ganzen Südschweiz florierte, ist dies der einzige Roman, der den Schmuggel jener Jahre thematisiert.
Massimo Lardi
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