Ferdinand Saar Saar Die Geigerin

Die Geigerin

von Ferdinand Saar

Novelle

EUR 13,00

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Beschreibung

…Als wir die Brücke über den Donaukanal be­traten, gewahrte ich, wie unter den Jochen hervor ein dunkler Gegenstand auf den Fluten trieb, in welchem ich die Umrisse einer weiblichen Gestalt zu erkennen glaubte. Gleichzeitig mit mir mussten ihn andere be­merkt haben; es entstand ein Zusammenlauf am Ge­länder; Rufe nach Rettung wurden laut, und wirklich stieß in einiger Entfernung ein Kahn ab, dessen Bemannung die Verunglückte mittels langer Enterhaken ans Ufer zog und am Fuße eines Gaskandelabers niederlegte. Dorthin strömte jetzt eine zahlreiche Menschen­menge; ich und mein Begleiter wurden unwillkürlich mit fortgerissen. Kaum aber hatte Walberg einen Blick in das bleiche Antlitz des Weibes getan, als er mich mit einem unterdrückten Aufschrei beim Arm ergriff und fortziehen wollte. Er fasste sich aber gleich wieder, trat auf die Sicher­heitswache zu, die sich eingefunden hatte, und wechselte mit dem Manne einige Worte. Mittlerweile hatte man Vor­keh­rungen getroffen, die, wie es schien, be­reits Entseelte in die nächste Rettungsanstalt zu bringen. Wir schlossen uns dem traurigen Zuge an und traten, indes die Menge draußen zurückgehalten wurde, bei dem Wundarzte ein. Während dieser mit seinem Ge­hilfen im Nebenzimmer Belebungsversuche anstellte, sank Walberg erschöpft in einen Stuhl und schrieb ei­nige Worte auf ein Blatt Papier, welches er aus seinem Notizbuche losgetrennt hatte…

Autor*in

Ferdinand Saar
Ferdinand (Ludwig Adam) von Saar: Am 30. September 1833 in Wien geboren, entstammte Saar einer geadelten Beamtenfamilie. Nach dem frühen Tod des Vaters kehrte die Mutter wieder in ihr Elternhaus zurück. Dem Besuch der Volks­schule des Waisenhauses folgte ab 1843 der Aufenthalt im Gym­nasium. Sein Vormund bestimmte 1849 für ihn eine Lauf­bahn im Heer, doch verließ Saar 1860 das Militär um als freier Dichter zu leben. In den folgenden Jahren brachten ihn seine Schul­den aus der Militärzeit wiederholt in Haft, erst die groß­zügige Geld­zuwendung einer Gönnerin befreite ihn 1871 aus der finanziellen Not. Die kurze Ehe mit Melanie Lederer endete mit dem Freitod seiner Frau 1884, in der Folge wurden seine melancholischen Phasen häu­figer. Saar wurde 1890 der Franz-Joseph-Orden verliehen, an dem Fest­blatt zu seinem 60. Geburtstag arbeiteten u.a. Bahr, Hofmanns­thal und Schnitzler mit. Seine letzten Jahre und Werke waren von seinen chronischen Leiden und den Zeichen des nahen Todes ge­prägt. Ohne Aussicht auf Heilung seiner Krebser­krankung schied Saar 1906 freiwillig aus dem Leben. Saar vollendete »Die Geigerin« 1874, 1875 wurde die Novelle erstmals gedruckt. Seine Novellen zeichnen sich durch eine präzise Dar­stellung von Ge­scheh­nissen fast aller gesellschaftlichen Schichten der Donau­monarchie aus. Saar gilt nicht zuletzt als einer der großen »poetischen Realisten«. Werke u.a.: 1866 Innocens (Novelle) 1867 Kaiser Heinrich IV. (Tragödie) 1873 Marianne (Novelle) 1877 Novellen aus Österreich 1886 Tassilo (Drama) 1889 Schicksale (Novellen) 1893 Wiener Elegien (Lyrik) 1906 Tragik des Lebens (Novellen)

Themen in »Die Geigerin«

Frau Verzweiflung Suizid Belletristische Darstellung

Stimmen zu »Die Geigerin«

Details

ISBN: 9783852524368
Verlag: Bibliothek der Provinz
Erscheinung: 24.05.2005

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