Bauhaus VerKEHRSINSELN
Der Flughafen Roissy 1 „CDG“
Der BAHNHOF ST PANCRAS, London
Der TGV Bahnhof in LYON-Satolas
Eine Reihe von Richard Copans und Stan Neumann
Herausragende Architektur des Transits: Einsteigen, Aussteigen, Umsteigen. Unterschiedliche Konzepte, Epochen, Trends und Architekten werden monografisch vorgestellt, im Detail und mit 3D Modellen.
DVD, 78 Min., Farbe, Bestnr. 1048
Paul Andreu:
Der Flughafen Roissy 1 „CDG“
Das Terminal 1 des größten französischen Flughafens Roissy-Charles-de-Gaulle im Norden von Paris wurde zwischen 1969 und 1974 erbaut. Standen zuvor beim Bau von Flughafengebäuden funktionale Kriterien im Mittelpunkt, traten nun architektonisch-ästhetische Aspekte in den Vordergrund. Man begann sich weniger für die Flugzeuge, als für Schönheit und Kühnheit des Bauwerks zu interessieren. Diese Revolution ist vor allem dem Architekten Paul Andreu, geboren 1938, zu verdanken.
Im Zentrum des Flughafens Roissy 1 steht ein fensterloser Betonring von 200 Metern Durchmesser, den ein Lichtschacht durchdringt. Er dient der Orientierung und steuert wie in einer Art Kreisverkehr die Passagierströme. Die Flugzeuge gruppieren sich um mehrere Satelliten, die rings um das Terminal herum angelegt sind. „Die Flughafenanlage funktioniert wie eine Art Kreislauf, beim Herz würde man von der Pumpe sprechen“, erklärt Andreu. Und noch heute befindet sich der Flughafen - inzwischen um Roissy 2 ergänzt – weiter in Entwicklung.
Roissy 1 war Andreus erste Arbeit, die in der Geschichte des Flughafenbaus auch die Grenzen der geschlossenen Form aufgezeigt hat. Inzwischen verzichten Architekten auf starre Strukturen. Auf Roissy 1 folgten rund 50 Großflughafengebäude in der ganzen Welt. Andreu wurde so zu einem der bedeutendsten Flughafenarchitekten des 20. Jahrhunderts.
William Henry Barlow:
Der BAHNHOF ST PANCRAS, London
Als die Midland-Eisenbahngesellschaft 1863 die Genehmigung zum Bau des Bahnhofs erhielt, erteilte sie William Barlow, einem der glänzendsten Ingenieure der damaligen Zeit, den Auftrag. Die Rekordtragweite seiner 1865 fertiggestellten Bahnsteighalle, mit einer Höhe von über 30 Metern und einer Länge von über 200 Metern, blieb bis zur Pariser Weltausstellung 1889 unübertroffen. Die Stahlarmatur wird bei St. Pancras durch keine Stützen oder Pfeiler getragen. Barlow entwarf eine waghalsige und effiziente Konstruktion: Da das Bauwerk aufgrund der Bodenunebenheiten erhöht errichtet werden musste, verlegte er den Träger für die Fundamentplatte ins Untergeschoss, wo er die ganze Belastung aufnehmen konnte. Der Bau einer höheren und breiteren Stahlstruktur wurde so möglich. Die Bahnhof Szenen von „Harry Potter“ wurden dort gedreht.
Der Auftrag des dazugehörigen Hotels ging an Sir George Gilbert Scott. Der Vertreter des gothic revival sollte den Erwartungen der Midland Company in puncto Luxus Gestalt geben - und das Midland Grand Hotel wurde tatsächlich das größte und luxuriöseste der Hauptstadt. Es weist Zitate aus allen Epochen der Gotik auf, vom flandrischen Rathaus bis zur französischen Kathedrale, besonders aber liebäugelte Scott mit dem Mittelalter. Er gestaltete eine moderne Gotik, die den funktionalen Anforderungen gerecht werden konnte. Vom Glanz des Hotels ist heute nicht mehr viel übrig: Leer und unbeheizbar dämmert es einem ungewissen Schicksal entgegen. Es bleibt nur noch die denkmalgeschützte Fassade, monumentales Überbleibsel des grenzen-losen Ehrgeizes einer Eisenbahngesellschaft.
Santiago Calatrava:
Der TGV Bahnhof in LYON-Satolas
Der TGV-Bahnhof in Lyon-Satolas wurde 1994 anlässlich der Olympischen Spiele von Albertville eröffnet. Der Bau dieser spektakulären Anlage für den französischen Hochgeschwindigkeitszug TGV auf dem Gelände des Flughafens von Lyon war für den Architekten und Ingenieur Santiago Calatrava eine Herausforderung und zugleich Gelegenheit, der modernen Technik ein Denkmal zu setzen.
Lyon-Satolas hat nichts mehr mit den zentral gelegenen Kopfbahnhöfen des 19. Jahrhunderts gemein: Es ist ein stadtferner Verkehrsknotenpunkt, der Luft-, Schienen- und Straßenverbindungen vernetzt.
Obwohl die hohen technischen Anforderungen und die gigantischen Ausmaße der Anlage nur wenig Freiraum für Fantasie ließen, ist dem Architekten ein großartiges Bauwerk gelungen: Die Bahnhofshalle, eine aluminiumverkleidete Stahlkonstruktion, die sich über den Gleisbereichen und den Bahnsteigen aus Beton erhebt, erinnert mit ihren beiden ausgebreiteten Riesenflügeln an einen zum Flug ansetzenden Vogel. Calatrava vertritt damit - entgegen dem beherrschenden Rationalismus - einen bewusst figurativen Baustil. Sein bildhauerischer und zugleich organischer Ansatz zeugt von einem ganz eigenen, poetischen Herangehen, mit dem er immer wieder versucht, bis an die Grenzen des Möglichen vorzudringen. Mit dieser „Kunst des Möglichen“ nimmt Calatrava in der zeitgenössischen Architektur eine Sonderstellung ein.
Die Baukunst Reihe jetzt thematisch geordnet und zum Sonderpreis!
Stan Neumann
Paul Andreu William Henry Barlow Santiago Calatrava
»Die ambitioniertesten architektonischen Bauwerke der Vergangenheit und Gegenwart werden mit seltenem Archivmaterial, Modellen und im Gespräch mit den größten Architekten unserer Zeit dargestellt.« Detail.de
»Es sind Baumeister und ihre Welten, Visionen, die hier zu Wort kommen« - MDR Figaro
»Ruhige, nie Effekt haschende Bilder gehen eine sinnvolle Allianz ein mit unaufdringlich platzierten 3D-Animationen. Der maßvolle Wortanteil lässt Luft für assoziative Freiräume. Eine sehr schöne Art durch aufregende Architektur geführt zu werden.« detail.de
»Eine schöne Idee: halbstündige Filme über wegweisende Bauwerke.« Saarbrücker Zeitung
()