Weiblicher Chaot schildert gefühlvoll und in einfacher Ausdrucksweise das Leben eines Mädchens, das schon in früher Kindheit bemerkt, anders als ihre Kameradinnen zu sein. Der Transjunge muss jahrzehntelang sein Leben im falschen Körper verbringen.
Anne Maria, von allen Marianne genannt, erkennt bereits in früher Kindheit, dass sie anders ist als alle anderen Mädchen. Sie mag keine Kleider, spielt leidenschaftlich Fußball und schießt mit Pfeil und Bogen. In der Schule setzt sie Konflikten schlagkräftig ein Ende. In der Pubertät kommt ihr Anderssein noch stärker zum Ausdruck. Sie wird zumeist von ihren Schulkameradinnen gemieden und verliebt sich in ihre einzige Freundin. Als diese ihr freudig erzählt, sich in einen Jungen verliebt zu haben, wendet sie sich von ihr ab. Trost findet sie nur bei ihrem geliebten Pferd Sunshine. In ihrer Verzweiflung, so anders zu sein, richtet sich ihre Aggression gegen sie selbst. Mit einem Taschenmesser ritzt und sticht sie in ihren Unterarm. Mariannes Gefühlswelt ist ein einziges Chaos. Sie erlernt den Beruf des Gärtners und Floristen und für eine Zeit lang scheint es, sie habe sich mit ihrem Leben arrangiert. Nach dem plötzlichen Tod ihres geliebten Vaters und dem Freitod der Mutter ein Jahr danach, ist Marianne nahezu am Tiefpunkt angelangt. Als dann auch noch ihr tierischer Freund an einer Infektion verendet, bricht sie ihre Zelte in ihrem Heimatdorf ab. Hals über Kopf zieht sie in die Bundeshauptstadt. In Wien hatte sie mit fünfzehn Jahren einen wundervollen Tag mit ihren Eltern verlebt. Die Anonymität der Großstadt hatte sie schon damals fasziniert. Für mehr als fünf Jahre führt sie ein Leben am Rande der Gesellschaft. Sie treibt sich mit einer Gang im Prater umher, trinkt reichlich Alkohol und raucht sogar gelegentlich Haschisch. Marianne weiß, dass es nur mehr ein kleiner Schritt zum endgültigen Absturz ist und beschließt, mit dem neu beginnenden Jahr, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.
Harald Hartl
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