Schuld und Nicht-Wiedergutmachung vollzieht sich im Mangel der Lebensbezüge.
Fehlende Bindung kann sehr einsam machen und kann die Konsequenz nach sich ziehen, dass dem Einen alles gelingt im Leben und dem Anderen gar nichts, die Einen werden anerkannt von den Menschen, die Anderen nicht, die Einen stehen in der Sonne, die Anderen im Schatten. So fing ich an, der Frage nachzugehen, welcher biographischen Dynamik wir diese Auswirkungen zu verdanken haben. Wir können das Leben nicht nur machen, zu viele Faktoren hängen daran, unter deren Einfluß wir stehen. Unsere Reaktionen, Gebärden, Mimik, unsere Sprache sind Hilfsmittel um uns auszudrücken, aber die Geschichte, die der Ursprung unserer Mitteilungen ist, befindet sich in uns selbst.
Inzwischen bin ich mehr als zuvor davon überzeugt, dass jedes Leben einem Script unterliegt, das diktiert wird von dem, was gelebt wird und von dem, was nicht gelebt wird. Beides unterliegt in der Konsequenz Gesetzesmäßigkeiten, denen wir uns nicht mehr entziehen können. Unser Unvermögen Gott gegenüber entlastet uns nicht dem Menschen gegenüber. Unter Christen gibt es als Antwort auf Lebensfragen oft nur Gott oder den Teufel und zerbrechen doch still und leise an ihren Lebensthemen trotz ihrer Glaubenstreue. Es scheint ein Vakuum zu geben im System Gott-Mensch-Mensch, das erst einmal nicht nach dem üblichen Glaubensverständnis zu füllen ist. Womit dann?
Barbara Buratynski
Gelebtes und ungelebtes Leben familienbiographische Bindungen nichtgelebte Liebe und Verantwortung