Warum die Evolutionspsychologie den Fortbestand psychologischer 'Artenvielfalt' gefährdet.
In Kapitel 1 wird eine historische Einführung in den evolutionspsychologischen Denkstil und das dabei entwickelte Erkenntnismedium (das evolutionspsychologische Modell der Psyche, ihren methodischen und metatheoretischen Zugang) geliefert. Kapitel 2 ist der Hinterfragung evolutionspsychologischer Vorannahmen bezüglich eines ‚historisch selektiven Kontextes‘ und der gegenstandsbezogenen Annahme ‚evolvierter psychologischer Mechanismen‘ als Adaptationen sowie einer Verortung der in diesem Rahmen vorgenommener Spekulationen im Erkenntnisprozess gewidmet. Spekulation stellt sich dabei als notwendiger Bestandteil psychologischer Erkenntnismedien heraus. Eine von Evolutionspsychologen betriebene, rhetorisch verzerrte Darstellung der identifizierten Vorannahmen als ‚wissenschaftliche Tatsachen‘ wird dabei als Teil der ‚Mission der Evolutionspsychologie‘ bezeichnet. Daraufhin werden schließlich in einer Wendung zur Wissenschafts- und Erkenntnistheorie evolutionspsychologische Vorannahmen bezüglich des Terminus ‚Metatheorie’ kritisch beleuchtet. In der Wissenschafts- und Erkenntnistheorie angekommen, wird in Kapitel 3 der Zustand der psychologischen Wissenschaft zwischen Fragmentierung und Homogenisierung als ‚Krise der Psychologie‘ thematisiert, zu welcher die Evolutionspsychologie in Beziehung gesetzt wird: Dabei wird klar werden, dass sie diese ‚Krise‘ nicht lösen kann und sie vielmehr perpetuiert. Um eine Vorstellung davon zu entwickeln, wie eine prinzipielle Integration der Disziplin bei gleichzeitiger Erhaltung multiparadigmatischer Vielfalt aussehen könnte, werden Anforderungen an Erkenntnissubjekte der psychologischen Wissenschaft anhand einer interaktiven Metapher des ‚Tauziehens‘ thematisiert. In Kapitel 4 wird der Bezug psychologischer Theoriebildung zum Erkenntnisobjekt anhand des gegenstandslogischen Entwurfes von Schülein (2002) thematisiert, um die Kritik am Erkenntnismedium der Evolutionspsychologie (s. Kapitel 2) zu fundieren und überdies das hier entwickelte ‚wissenschaftspolitische Tauziehen‘ der Erkenntnissubjekte (s. Kapitel 3) in Kontakt zu den Erkenntnisobjekten bringen zu können. Am Beispiel der Evolutionspsychologie werden in Kapitel 5 die Fragen erörtert, welche Risiken und Nebenwirkungen eine evolutionspsychologische Metatheorie mit sich bringt. Abschließend wird die ‚Not‘ des krisenhaften Charakters der Psychologie zu einer ‚Tugend‘ wissenschaftlicher Psychologie neu gedacht und von der Idee ‚psychologischer Metatheorie‘ Abstand genommen
Simon Roos
Autopoiesis Denkstil Erkenntnistheorie Evolutionspsychologie Soziobiologie