Der Band zeichnet anhand der historischen medizinischen Diskurse über den Scheintod einen Wandel in dem Verständnis von Leben und Tod zu Beginn der Moderne nach, der heute noch prägend ist und die Praxis der Medizin anleitet.
»Scheintod« ist ein Neologismus des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Er verweist auf ein modernes Todesproblem: Mit ihm wird die Angst des sich »nur noch mit sich selbst identisch« (Luhmann) verstehenden Individuums vor einem Selbstverlust thematisiert, die eng mit der Verzeitlichung der Gesellschaft sowie der anthropologischen Transformation seit der Aufklärung zusammenhängt. Welche Bedeutung kommt dem Tod zu nach Überwindung der christlich-mittelalterlichen Seelenvorstellungen im Zuge der Aufklärung?Die Studie rekonstruiert die wechselseitigen Bezüge zwischen Wissen und Tod, die der Bildung dieses Begriffs zugrunde liegen. Die soziale Reichweite des Scheintodes wird mittels konkurrierender Deutungsmuster und kultureller Praktiken des Umgangs mit Tod und Sterben untersucht, zu denen neben Diskursen aus der Medizin oder Theologie religiöses und überliefertes Wissen zählen.
Gerlind Rüve
Gerlind Rüve (Dr. phil.) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Medizinischen Hochschule Hannover. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Wissenschafts- und Medizingeschichte.
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»Die Untersuchung des Scheintodphänomens war bisher ein Desiderat der Forschungsgeschichte. Deswegen ist es besonders zu würdigen, dass die Autorin sich diesem Thema gestellt und mit ihrer Dissertation eine grundlegende Forschungsarbeit vorgelegt hat, die [...] weit über den eigentlichen medizinhistorischen Rahmen hinaus geht.«
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»Gerlind Rüve liefert mit ihrer Untersuchung über die Scheintodproblematik einen wichtigen Beitrag zum Wandel in der Auffassung vom Tode seit der Aufklärung [...]. Sie wirft einen weitgespannten Blick auf die Thematik und berücksichtigt mentalitätsgeschichtliche, anthropologische, medizinhistorische, theologische sowie philosophische Aspekte des in dieser Weise neu bearbeiteten Forschungsfeldes.«
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»Gerlind Rüves Studie ist von Bedeutung für alle Fachbereiche, die sich mit der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts beschäftigen, für die Soziologie ebenso wie für die Theologie, für Philosophie, Volkskunde, Medizingeschichte und Rechtsgeschichte.«
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Besprochen in:Ohlsdorf – Zeitschrift für Trauerkultur, 103 (2008)
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