Lévinas denkt Verantwortung für den Anderen nicht vom Bewusstsein, sondern von der Empfänglichkeit her. Damit ist sie keine Haltung, die man einnehmen oder verweigern kann, sondern Seinsmodus des Menschen. „Ich suchte keine Antwort für Auschwitz, sondern für die, die überlebt haben“, erklärt Lévinas – selbst als Jude in einem deutschen Arbeitslager interniert – die tiefste Motivation für sein Denken. Der Band diskutiert knapp und verständlich die Konsequenzen dieser Philosophie, auch für die Bereiche Theologie und Pädagogik.
Barbara Staudigl
Prof. Dr. Barbara Staudigl ist emeritiert und lehrte an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.
Bewusstsein Emmanuel Lévinas Pädagogik Philosophie Theologie
Aus: ekz-Informationsdienst, Ursula Homann, 52/09
Barbara Staudigl, Professorin für Allgemeine Pädagogik an der Uni Eichstätt-Ingolstadt, ist das Kunststück gelungen, im Gegensatz zu B. Taureck (ID 6/92) und A. Gelhard (ID 44/05),
das Leben des französischen Philosophen E. Lévinas (1906-1995), so anschaulich zu schildern und seine Philosophie so verständlich darzustellen, dass sicher viele Leser angeregt werden, sich mit Lévinas' Schriften näher zu befassen. Sie weist darauf hin, dass dessen Leben mitgeprägt wurde durch den Holocaust, dem viele seiner Familie zum Opfer fielen. Lévinas' Ethik, erläutert sie, ist weitgehend ein Denken vom Anderen her und basiert auf seiner kritischen Auseinandersetzung mit der abendländischen Tradition, in der der Einzelne bisher nicht nur zu kurz gekommen ist, sondern oft auch wegen seiner Andersheit vernichtet wurde. Man denke nur an die Hexenverfolgung. Die Ausführungen werden ergänzt durch Exkurse, z.B. über "Kritik der Ontologie", "Transzendenz", "Metaphysik" u.a. Dem Anspruch dieser Reihe, "klar-knapp-konkret" zu informieren, wird der Band auch mit seinem Anhang glänzend gerecht.
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