Robert Walsers Mikrogrammtext »Beiden klopfte das Herz ...« ist ein virtuos gefertigtes Erzähllabyrinth. Neukoms psychodynamisch orientierte Analyse erklärt, wie der Prozess der Lektüre einen unerhörten Gang in bestimmte Bereiche des eigenen Seelenlebens erzwingt, sondern vertieft auch das Verständnis für die künstlerische Qualität von Walsers Werk.
Das Mikrogramm »Beiden klopfte das Herz ...« ist ein für Robert Walser charakteristisches Prosastück. Ein Erzähler berichtet auf irritierende, immer wieder das Erzählen reflektierende Weise von einer Frau und einem Mann, deren Liebesbeziehung nicht zur Erfüllung kommt. Auf den ersten Blick werden alle Merkmale eines klassischen Liebesdramas präsentiert - und doch rollt der Text ein solches nicht auf. Worum geht es wirklich in diesem Mikrogramm? Mit welchen Motiven werden wir beim Lesen auf bewusster und unbewusster Ebene konfrontiert? Mit der psychoanalytischen Methode der Gegenübertragungsanalyse wird nicht nur erklärt, wie die Lektüre einen Gang in bestimmte Bereiche des eigenen Seelenlebens geradezu erzwingt, sondern auch das Verständnis der künstlerischen Qualität von Walsers Werk vertieft.
Eine präzise psychoanalytische Textinterpretation - Literaturwissenschaft, Psychoanalyse und schliesslich auch die Biografie Robert Walsers werden hier souverän miteinander verbunden.
Marius Neukom
Marius Neukom arbeitet als Psychotherapeut und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich der Psychotherapieforschung an der Abteilung für Klinische Psychologie der Universität Zürich. Literaturpsychologische Veröffentlichungen zu Franz Kafka, Binjamin Wilkomirski und Georges-Arthur Goldschmidt.
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