Auf der Grundlage einer Auseinandersetzung mit den Begriffen »Perversion«, »Paraphilie« und »Störung der Sexualpräferenz« wird dargestellt, inwiefern die klassische Psychoanalyse hilfreich sein kann. Die Parameter einer Perversionstherapie und weitere Therapieformen werden vorgestellt.
Das Studium der Perversionen eröffnete Freud tiefe Einsichten in die Funktionsweise von Sexualität und Erotik, die für seine Theoriebildung über die menschliche Psyche von entscheidender Bedeutung waren. Viele dieser Einsichten haben bis heute ihre Gültigkeit, viele wurden inzwischen ergänzt und differenziert. Heute wird der Begriff der Perversion im Kontext der Psychiatrie kaum mehr verwendet, sondern zunehmend durch die Bezeichnungen »Paraphilie« oder »Störung der Sexualpräferenz« ersetzt. Dennoch bezeichnen diese Termini keine identischen Phänomene, wie der Autor in der Auseinandersetzung mit den Gründen der Neudefinition anschaulich darlegt.
Ein zentrales Anliegen des Bandes ist es, zu zeigen, dass und wie die klassische Psychoanalyse - etwa bei Fetischismus, Exhibitionismus oder Sadismus - hilfreich sein kann. Dabei werden die für eine Perversionstherapie notwendigen Parameter betrachtet und auch weitere mögliche Therapieformen vorgestellt.
Die neue Reihe »Analyse der Psyche und Psychotherapie« will die grundlegenden Konzepte und Begrifflichkeiten der Psychoanalyse auf dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Diskussion erläutern, ihre historische Entwicklung nachzeichnen und sie in ihrer Bedeutung für die Therapie darstellen. Sie richtet sich u.a. an Psychotherapeuten und Studierende.
Wolfgang Berner
Wolfgang Berner ist Psychiater und Psychoanalytiker (DPV) und war von 1995 bis 2010 Direktor des Instituts für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf. Vorher war er an der Universitätsklinik für Psychiatrie in Wien und therapeutischer Leiter einer sozialtherapeutischen Anstalt. Er war Vorsitzender der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Schwerpunkt seiner Forschung sind Langzeitverläufe, unterschiedliche Persönlichkeitsstrukturen und therapeutische Optionen bei Sexualstraftätern. Letzte Buchveröffentlichungen: Perversion (Psychosozial-Verlag, 2011), gemeinsam mit Amelung, Boll-Klatt und Lamparter: Von Irma zu Amalie. Der Traum und seine psychoanalytische Bedeutung (Psychosozial-Verlag, 2018).
Stand: März 2019
Perversion Psychoanalyse Psychotherapie