Online-Dating ist keine Privatsache, sondern ein Politikum mit weitreichenden Folgen: Warum die Demokratie den Gestaltungsauftrag annehmen muss.
Die Partnersuche geht eigentlich nur die Suchenden selbst an. Und doch haben stets Dritte mitgewirkt: früher Familie, Kirche und das soziale Umfeld, heute flächendeckend Dating-Portale. Sie sind keine neutralen Plattformen, sondern üben eine von bewussten wie unbedachten Entscheidungen geprägte Vermittlungsmacht aus. Ihr Geschäftsmodell verdient an der fortgesetzten Suche, nicht an deren Ende. Damit gewinnt das private Glück eine politische Dimension, die hier konsequent als Frage von Macht und Legitimation entfaltet wird. Nicht der Markt versagt, sondern eine demokratische Politik, die sich für die Infrastruktur der Intimität nicht zuständig fühlt. Martin Beckstein begründet, warum sie es sein sollte.
Martin Beckstein
Martin Beckstein (PD Dr. rer. soc.), geb. 1980, lehrt Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politische Theorie und Ideengeschichte an der Georg-August-Universität Göttingen. Seine Forschung reicht von der Politisierung des alltäglichen Wirtschaftslebens bis zur Methodik der Ideengeschichte.
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