Eine Wissenschaftsgeschichte über die Mechanismen der Ausgrenzung von heute: Der Band zeichnet die sexualwissenschaftlichen Erzählungen nach, die um 1900 gleichgeschlechtliches Begehren zum pathologischen Phänomen erklärt haben.
Um 1900 erzählten Sexualwissenschaftler wie Richard von Krafft-Ebing, Albert Moll, Magnus Hirschfeld, Iwan Bloch oder Sigmund Freud von einem krankhaften Trieb, mit dem sie eine einheitliche Homosexualität denkbar und erforschbar machten. Eine Wissenschaftsgeschichte der sexualpathologischen Fälle, Reportagen und Umfragen verdeutlicht sowohl disziplinierende und diskriminierende als auch plurale und liberale Momente des medizinischen Erzählens. Dieses Buch zeigt, dass sich die scheinbare Einheit der Homosexualität seit ihrer Konstitution als vieldeutig und brüchig erweist.
Philippe Weber
Philippe Weber (Dr. phil.) ist Historiker und studierte an den Universitäten Zürich, Konstanz und der University of California. Seine Forschungsinteressen sind Wissenschafts-, Kultur- und Sexualitätsgeschichte.
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»In seiner sehr lesenswerten Studie [...] zeigt der Autor die Janusköpfigkeit(en) der damaligen medizinischen Diskurse auf: Regulierung und Diskriminierung der ›Abweichenden‹ finden sich gleichermaßen wie Selbstartikulation der Betroffenen und Anerkennung vielfältiger Lebensstile.«
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»Webers klar aufgebautes und luzide geschriebenes Buch zeichnet sich dadurch aus, dass es jene idealtypischen ›Narrative‹ in den Mittelpunkt rückt, mittels derer sich im (psycho-)pathologischen Diskurs des 19. Jahrhunderts ein ›Wissen‹ vom ›homosexuellen Trieb‹ entwickelte.«
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