Beurteilung des Futterwertes europäischer Trockenschlempen für Wiederkäuer anhand von Laborverfahren
Die fermentative Produktion von Ethanol aus Getreide ist durch die vermehrte Nutzung als Kraftstoff stark angestiegen. Entsprechend zugenommen hat auch die Verfügbarkeit von Schlempen, den Koppelprodukten aus diesem Verfahren. Während des Produktionsprozesses wird Stärke über Zucker zu Ethanol umgewandelt und die Konzentration nicht fermentierter Bestandteile steigt an. Der überwiegende Teil der Schlempen wird in Form von Trockenschlempen (Distillers dried grains with solubles, DDGS) vermarktet und als Futtermittel genutzt. Der Futterwert von Trockenschlempen wurde umfangreich wissenschaftlich untersucht. Dies gilt vor allem für maisbasierte DDGS aus Nordamerika. Dennoch besteht die Problematik, dass Merkmale des Futterwertes sowohl zwischen als auch – weniger gut untersucht – innerhalb von Produktionsanlagen variieren. Diese Variation wird zum einen durch Merkmale des Produktionsprozesses verursacht. Zum anderen unterscheiden sich Trockenschlempen je nach verwendeten Getreidearten, die vor allem in Europa vielfältig sind. Der Einsatz von Rohstoffgemischen erhöht die Variation zusätzlich.
Daher stellt der erste Teil dieser Arbeit einen Überblick über europäische Trockenschlempen dar. Es wurden 36 Proben aus verschiedenen Anlagen unterschiedlicher Hersteller im Hinblick auf den Futterwert für Wiederkäuer untersucht. Neben chemischer Analytik und Schätzung des Energiewertes lag der Fokus auf der Charakterisierung des Rohproteins (XP). Mittels chemischer und in vitro-Methoden wurden das ruminal unabgebaute Futter-XP (UDP) und dessen Verdaulichkeit im Dünndarm geschätzt. Weiterhin erfolgte eine Schätzung des nutzbaren XP am Duodenum, welches die Summe aus UDP und mikrobiellem XP beschreibt. Viele Merkmale des Futterwertes unterschieden sich abhängig von den verwendeten Rohstoffen (Mais, Weizen und Mischungen). Jedoch zeigte sich sowohl im Gesamtbild als auch innerhalb dieser Rohstoffkategorien eine hohe Variation.
Im zweiten Teil erfolgte eine Charakterisierung von 28 Proben einer auf einem Rohstoffgemisch basierenden Trockenschlempe aus einer Anlage. Es zeigte sich eine allgemein geringere Variation gegenüber DDGS aus verschiedenen Quellen. In einem zusätzlichen Ansatz wurden Inhaltsstoffe und Futterwert mit Informationen zur wechselnden Zusammensetzung des Rohstoffgemisches in Beziehung gesetzt. Für die grundlegende chemische Zusammensetzung und den Energiegehalt wurden mäßig ausgeprägte und biologisch plausible Zusammenhänge gefunden. Dagegen waren Zusammenhänge für Mineralstoffe weitgehend schwierig zu interpretieren. Für Merkmale des Proteinwertes waren nur begrenzt Beziehungen nachweisbar.
Zusammenfassend kann trotz der beschriebenen Variation der günstige Futterwert von DDGS für Wiederkäuer bestätigt werden. Dies drückt sich durch den Energiewert und mit Ölschroten vergleichbare Proteinwertmerkmale aus. Die Ergebnisse deuten auf einen deutlichen Einfluss des Produktionsprozesses hin, insbesondere auf den Proteinwert. Durch eine gezielte Auswertung von Daten zu Rohstoffen, Prozessdetails und Charakteristika der resultierenden Trockenschlempen könnte deren Qualität und Konstanz verstärkt Rechnung getragen werden. Für Landwirte und Mischfutterhersteller ist die Kenntnis über Rohstoffe und Herkunft hilfreich, dennoch sollte im Idealfall jede Charge auf wesentliche Merkmale hin untersucht werden. Die in dieser Arbeit angewandten Laborverfahren stellen für die wissenschaftliche Anwendung eine Möglichkeit dar, den Proteinwert unabhängig von Versuchen am Tier zu beschreiben. Hierzu bedarf es jedoch weiterer Evaluierung und Validierung.
Christian Georg Böttger
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