Ziel der vorliegenden Arbeit war die Evaluierung der Anbauwürdigkeit von Körnerleguminosen-Anbausystemen als proteinreiches Futtermittel unter ungünstigen Standortbedingungen im biologischen Anbau in Zentraleuropa. Zu diesem Zweck wurde eine schriftliche Umfrage bei Landwirten durchgeführt, um deren Wissens- und Informationsstand über den Anbau von Körnerleguminosen zu definieren, die Probleme und Hemmnisse des Anbaus zu bestimmen sowie die Anreize zu identifizieren, welche nötig sind, um Landwirte zu ermutigen in Zukunft Körnerleguminosen anzubauen. Zudem wurde ein Feldversuch auf einem biologisch bewirtschafteten Praxisbetrieb in Luxemburg unter ungünstigen Bodenverhältnissen angelegt. Ziel war es die Anbauwürdigkeit verschiedener Körnerleguminosen-Anbausysteme als proteinreiches Futtermittel zu prüfen. Zusätzlich sollten die Leistungen der Winter- und Sommerformen von Erbsen und Ackerbohnen sowie die von Erbsen in Reinsaat und im Gemenge mit Getreide verglichen werden und der Vorfruchtwert der verschiedenen Anbausysteme anhand des nachfolgenden Winter-Weizens untersucht werden. In zwei aufeinanderfolgenden Anbauperioden (2011- 2013 und 2012-2014) wurden acht verschiedene Körnerleguminosen-Anbausysteme (Winter- und Sommer-Erbse in Reinsaat und im Gemenge mit Getreide, Winter- und Sommer-Ackerbohne, Sojabohne und Blaue Lupine) und eine nicht Stickstoff-fixierende Kontrollkultur (Winter-Triticale) geprüft, jeweils gefolgt von Winter-Weizen. In einem weiteren Feldversuch unter biologischen Anbaubedingungen auf der „Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen“, Deutschland (DFH) und unter konventionellen Anbaubedingungen in Quedlinburg, Deutschland (QLB) wurde die Eignung von Bradyrhizobien-Impfpräparaten zur Inokulation von Sojabohnen zur Maximierung des Ertrags, Proteingehalt und Proteinertrags unter kühlen Anbaubedingungen geprüft. Zudem diente der Feldversuch die Interaktion der verschiedenen Sojabohnen-Sorten mit den getesteten Impfpräparaten zu untersuchen. In drei aufeinander folgenden Jahren (2011- 2013) wurden drei frühreife Sojabohnen-Sorten (Merlin, Bohemians, Protina) in Kombination mit vier verschiedenen Bradyrhizobien-Impfpräparaten (Radicin No.7, NPPL Hi-Stick, Force 48, Biodoz Rhizofilm) und einer ungeimpften Kontrolle geprüft. Folgende wichtige Ergebnisse und Schlussfolgerungen lassen sich festhalten: Umfrage bei luxemburgischen Landwirten •Der Rücklauf der schriftlichen Umfrage von 29% zeigt das große Interesse der luxemburgischen Landwirte am Thema Körnerleguminosen-Anbau. •Die Wirtschaftsweise (konventionell oder biologisch) hat einen großen Einfluss auf die Entscheidung, ob Körnerleguminosen angebaut werden oder nicht. Zudem besteht eine Beziehung zwischen der Wirtschaftsweise und dem Wissensstand der Landwirte über den Körnerleguminosen-Anbau. Biologisch wirtschaftenden Landwirte bauen mehr Körnerleguminosen an und sind besser informiert über deren Anbau als konventionell wirtschaftende Betriebe. Dennoch sind die Gründe, wieso Landwirte keine Körnerleguminosen anbauen sowie die positiven und negativen Erfahrungen derer die Körnerleguminosen anbauen, nicht abhängig von der Wirtschaftsweise. •Hauptgründe für den Nicht-Anbau von Körnerleguminosen ist der Mangel an Information sowie die fehlende Beratung über diese Kulturen, gefolgt von den Problemen beim Anbau und den ungünstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. •Um eine Ausweitung des Körnerleguminosen-Anbaus in Luxemburg und Europa zu erreichen, muss nicht nur die Züchtung in Bezug auf die gegebenen Standortbedingungen verbessert, sondern auch der Wissenszugang und –Transfer über den Körnerleguminosen-Anbau erleichter werden. Körnerleguminosen-Anbausystemversuch in Luxemburg •Alle im luxemburgischen Feldversuch getesteten Körnerleguminosen-Anbausysteme, mit Ausnahme der Winter-Erbse in Reinsaat, waren unter den dort gegebenen ungünstigen Bodenverhältnissen als proteinreiches Futtermittel anbauwürdig. In Jahren mit ausreichender Bodenfeuchtigkeit schneiden die Ackerbohnen am besten ab. •Die Leistung der Erbsen in Reinsaat und im Gemenge ist abhänig vom Blatttyp. Halbblattlose Erbsen haben eine bessere Standfestigkeit und erzielten höhere Erträge in Reinsaat, während Vollblatttypen nur im Gemenge mit Getreide als Stützfrucht angebaut werden sollten. •Sommer-Erbsen erzielten höhere Erträge als Winter-Erbsen, wohingegen kein klarer Trend bei den Ackerbohnen festzustellen war. •Der Vorfruchtwert von Körnerleguminosen für Getreide war besser als der von Getreide für Getreide, gemessen am Proteinertrag des Weizens. In der ersten Anbauperiode überwogen Stickstoff-unabhängige, positive Effekte der Körnerleguminosen auf die Nachfrucht Weizen. Die Sommer-Erbse in Reinsaat erzielte dabei den höchsten Vorfruchtwert. Beim Vergleich der beiden Anbauperioden zeigte sich ein tendenziell höherer Vorfruchtwert der Körnerleguminosen-Reinsaaten im Vergleich zu den Körnerleguminosen-Gemenge und der Triticale. Sojabohnensorten-Impfpräparateversuch in Frankenhausen und Quedlinburg •Im deutschen Feldversuch wurden der Ertrag, der Proteingehalt und der Proteinertrag um bis zu 99% durch eine effektive Bradyrhizobien-Inoculation erhöht. •Ertrag, Proteingehalt und Proteinertrag waren generell höher in DFH, wobei der durchschnittliche Ertrag in QLB (2012-2013) bei 1.634 kg ha-1 und bei 2.455 kg ha-1 in DFH (2011-2013) lag. Ebenso war der durchschnittliche Proteingehalt in QLB (386 g kg-1) niedriger als in DFH (389 g kg-1) und der durchschnittliche Proteinertrag lag in QLB bei 650 kg ha-1 und bei 965 kg ha-1 in DFH. •Der Anteil des atmosphärisch fixierten Stickstoffs lag zwischen 40 und 57%. •Sojabohnen, die mit Radicin No.7 inokuliert wurden, bildeten keine Knöllchen aus. Der Ertrag, der Proteingehalt und der Proteinertrag waren vergleichbar mit der nicht geimpften Kontrolle. •Biodoz Rhizofilm, NPPL Hi-Stick und Force 48 hingegen sind für die Inokulation von Sojabohnen unter kühlen Anbaubedingungen in Deutschland geeignet. •Signifikante Interaktionen der Sojabohnen-Sorten und Impfpräparaten wurden für den Proteingehalt und den Proteinertrag an beiden Standorten gefunden, nicht jedoch für die Nodulation, den Ertrag, das Tausendkornmasse und den atmosphärisch fixierten Stickstoff. An beiden Standorten kann die Sorte Protina in Kombination mit dem Impfpräparat Biodoz Rhizofilm für die Tofu Produktion empfohlen werden. Lediglich in DFH konnten die Sorten Merlin und Protina in Kombination mit Biodoz Rhizofilm zur Futtermittelproduktion genutzt werden, dagegen war die Futtermittelproduktion in QLB aufgrund geringer Proteinerträge nicht rentabel. Anhand der Ergebnisse der Umfrage aus der Sicht der Landwirte über die Probleme und die nötigen Anreize des Körnerleguminosen-Anbaus und den gewonnenen Erkenntnisse aus den Feldversuchen, ist es nun möglich eine Strategie zu entwickeln, um den Körnerleguminosen-Anbau in standörtlicher Ungunst in Zentraleuropa zu erweitern und zu verbessern.
Stéphanie Marie Zimmer