Was geschieht, wenn eine historische Epoche plötzlich zu Pop wird und zum Materialreservoir für militante politische Spektakel?
Das Mittelalter ist nicht nur eine Epoche, sondern auch ein Kürzel für ein affektives Regime, für starke, ansteckende Gefühle – und das nicht nur im 19. Jahrhundert, der Hochzeit der zuerst romantischen und dann religiösen und nationalen Begeisterung für Mönche, Ritter, Ketzer und ihre vermeintlich »echteren« Lebensformen. Auch Utopien von der Wiedergewinnung authentischeren alternativen Lebens in den 1970er und 1980er Jahren haben sich enthusiastisch auf mittelalterliche Vorbilder bezogen. Sie sahen in ihnen Vorläufer, »Traditionen« und »Wurzeln« der Bewegungen und Subkulturen, die mit ihren gewalttätigen Auftritten damals in ganz Europa für Schlagzeilen sorgten. Bezüge auf ein rebellisches wildes Mittelalter waren in den Protestbewegungen weit verbreitet, zusammen mit neuen Darstellungsformen von Gefühl, politischen Affekten, Evokationen von »Authentizität« und »Reinheit«. Was verbindet die radikalen Armutsbewegungen des hohen und späten Mittelalters mit den militanten Aktivistinnen und Aktivisten – und wie hat die Mediävistik darauf reagiert?
Valentin Groebner
Valentin Groebner ist Professor für Geschichte mit Schwerpunkt Mittelalter und Renaissance an der Universität Luzern. Er hat zahlreiche Bücher zur Kultur- und Wissenschaftsgeschichte vorgelegt. Bei KUP erschienen Aufheben, Wegwerfen. Vom Umgang mit schönen Dingen (2023), Ferienmüde. Als das Reisen nicht mehr geholfen hat (2020), Wissenschaftssprache digital (2014) und Wissenschaftssprache. Eine Gebrauchsanweisung (2012).
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»Unterhaltsam skizziert Groebner eine Gedankenwelt, in der das Mittelalter zur Inspiration politischer Rebellion wurde.«
(Timm Lewerenz, philosophie Magazin, 03/2026)
»Anhand eines vermeintlich randständigen Themas legt (das Buch) den Konstruktionscharakter von Geschichte, den Konstruktionscharakter des Mittelalters frei.«
(Sebastian Kuben, H-Soz-Kult, 27.05.2026)
»Valentin Groebner (geht) in einem höchst anregenden und sehr lesenswerten Bändchen der Frage nach, wie ›das‹ Mittelalter in den 1970er und 1980er-Jahren in verschiedenen Teilen der ›linken Szene‹ entworfen und genutzt wurde.«
(Steffen Patzold, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.07.2026)
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