Prägnant und hintergründig erzählt dieser Roman vom Leben in einer durch rasche Modernisierung und Globalisierung geprägten Zeitenwende.
Die 18-jährige Gertrude Tofote erbt von einem in den holländischen Kolonien reich gewordenen Kapitalisten überraschend eine Rokoko-Villa, die aber der Stadterweiterung zum Opfer fällt. Die Waldidylle nahe Braunschweig, in der sie aufwuchs, zerfällt infolge ihres sozialen Aufstiegs. In der Altstadt stirbt ihr Jugendfreund, ein Seemann mit Ostindien-Erfahrung, an den Folgen eines Eisenbahnunfalls. Ihr knorriger alter Mentor Meister Autor Kunemund, der mondäne Erzähler und ein Schwarzer Deutscher als scharfzüngiger Lebensphilosoph sind weitere Hauptfiguren in Wilhelm Raabes vielschichtigem Panorama der sog. Gründerzeit der 1860/70er Jahre.
Der Roman erzählt in seinem spannungsvollen Mikrokosmos von einer Welt im Umbruch, die von beschleunigter Modernisierung, städtischem Wachstum, kolonialer Globalisierung und Mentalitätswandel geprägt ist - auch heute noch aktuelle Herausforderungen.
Moritz Baßler
Moritz Baßler, Professor für Neuere deutsche Literatur und Texttheorie an der Universität Münster.
Veröffentlichungen u. a.: Populärer Realismus. Vom International Style gegenwärtigen Erzählens (2022); Deutsche Erzählprosa 1850-1950. Eine Geschichte literarischer Verfahren. (2015); Entsagung und Routines. Aporien des Spätrealismus und Verfahren der frühen Moderne (Hg., 2013).
Kolonialismus Industrialisierung Erben Stadterweiterung Braunschweig Modernisierung Globalisierung Gründerzeit Sozialer Aufstieg Zeitenwende Mentalitätswandel Gesellschaftspanorama
»Das gesellschaftskritische Erzählwerk von Wilhelm Raabe (1830-1910) gehört zu den herausragenden Leistungen der bürgerlich-humanistischen Literatur im 19. Jahrhundert.«
Manfred Orlick, literaturkrittik.de, 21.12.2025)
»Eine neue Werkausgabe präsentiert Raabe als wachen, witzigen Beobachter seiner Zeit. (Die) Titel werden in dieser Ausgabe sorgfältig kommentiert, der stoffliche Hintergrund mit viel Liebe zum kulturgeschichtlichen Detail erschlossen.«
(Tilmann Krause, Welt am Sonntag, 07.09.2025)
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