Der Wechsel von radikaler Abwendung von - und immer wieder neuer Zuwendung zu - Geschichte und Tradition in Kunst und Architektur.
Bereits im 19. Jahrhundert finden sich vielfach Versuche, den herrschenden Historismus durch neue Leit- und Vorbilder zu ersetzen, so zum Beispiel bei Nietzsche, in der Lebensreformbewegung, etc. Die radikale Ablehnung der Geschichte, der Versuch, auf einer tabula rasa völlig Neues zu gestalten, wird dann seit der Jahrhundertwende zu einem zentralen Thema der Avantgarde-Bewegungen wie Futurismus und Konstruktivismus. Diesen Versuchen, eine neue Welt gleichsam mit dem Rücken zur Geschichte aufzubauen, stehen zahllose Ansätze gegenüber, Geschichte und Tradition in die Moderne zu integrieren beziehungsweise sich wieder an der Geschichte zu orientieren. All diesen Kontinuitäten und Brüchen, die das 20. Jahrhundert durchzogen und die konstitutiv für das Verständnis der Moderne sind, wird im vorliegenden Band an der Entwicklung von Kunst und Architektur nachgegangen.
Aus dem Inhalt:
Jörn Rüsen: Die Last der Geschichte und das Versprechen der Zukunft - Historismuskritik gestern und heute
Willibald Sauerländer: Flüchtige Aphorismen zum »Feindbild Geschichte«
Jürgen Reulecke: Lebensreformbewegung und Geschichte
Monika Steinhauser: »Retour à l' ordre« - Zum Traditionsverständnis im Richtungsstreit der Kunstdiskussion zwischen den Weltkriegen
Jean Louis Cohen: Klassizismen der 30er Jahre
Winfried Nerdinger: Wiederaufbau in Westdeutschland zwischen Rekonstruktion und Tabula rasa
Dieter Bartetzko: Die Postmoderne und ihre Folgen
Link: Bayerische Akademie der Schönen Künste
Helmut Gebhard
Helmut Gebhard, geb. 1926, ist Regierungsbaudirektor an der Obersten Baubehörde München. Von 1967 bis 1993 war er Professor für Entwerfen und ländliches Bauwesen an der TU München, seit 1981 ist er Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, von 1995-2004 war er Direktor der Abteilung Bildende Kunst.
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