Typische Prüfungsformate des bildungswissenschaftlichen Lehramtsstudiums berücksichtigen den performativen Bereich von Kompetenz bislang nur unzureichend. In der vorliegenden Arbeit wird diese Lücke durch die Entwicklung und Validierung einer rollenspielbasierten Simulation (robS / RobS) adressiert, die als summatives Prüfungsformat zur Erfassung und Bewertung der Beratungskompetenz von Lehramtsstudierenden konzipiert worden ist. Ziel der robS ist es, die performative Ebene von Beratungskompetenz unter komplexitätsreduzierten, aber praxisnahen Bedingungen sichtbar und bewertbar zu machen. Hierzu führen Lehramtsstudierende im Rahmen der robS in standardisierten Gesprächssituationen Beratungsgespräche mit Schüler*innen und Eltern, die von Schauspieler*innen verkörpert werden. Im Zuge einer argumentationsbasierten Validierung wurde die robS entlang unterschiedlicher Testgütekriterien evaluiert. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die robS eine differenzierte und hinreichend reliable Bewertung der gezeigten Beratungsperformanz ermöglicht. Offen bleiben Fragen zur externen Validität und Interpretierbarkeit der Beratungskompetenz sowie zum Zusammenhang zwischen dem dispositionalen und performativen Bereich von Kompetenz. Insgesamt wird mit der vorliegenden Arbeit ein empirisch fundierter Beitrag zur Entwicklung eines innovativen Prüfungsformats geleistet, das als Prototyp für eine stärkere Performanzorientierung im Lehramtsstudium beitragen kann.
Philipp Wotschel
Lehrkräfteausbildung Schulische Beratung Handlungsorientierung Performanztest OSTE