Forschungsgegenstand der vorliegenden Arbeit ist das deutsche Konzept für Disease Management Programme (DMP), wie es mit dem Gesetz zur Reform des
Risikostrukturausgleichs vom 10.12.2001 eingeführt wurde und in der Risikostruktur-Ausgleichsverordnung geregelt ist. Zielsetzung der deutschen DMP ist
neben der Verbesserung der Versorgung chronisch kranker Patienten auch die
Weiterentwicklung des finanziellen Risikostrukturausgleichs innerhalb der gesetzlichen Krankenkassen. In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, inwieweit das
deutsche DMP-Konzept für die Diagnose Diabetes mellitus Typ 2 die Indikatoren
der verschiedenen versorgungsrelevanten DMP-Dimensionen erfüllt.
Ausgangspunkt für die Überprüfung der Forschungsfrage ist die Darstellung des besonderen Versorgungsbedarfs bei chronischen Erkrankungen, speziell des Diabetes mellitus Typ 2. Anschließend wird erarbeitet, wie ein Diabetes-DMP, das
sowohl dem Versorgungsbedarf als auch den ökonomischen Zielsetzungen gerecht
werden soll, definiert ist und durch welche versorgungsrelevanten Dimensionen es kennzeichnet ist. In den darauf folgenden Kapiteln werden die Charakteristika
des deutschen Diabetes-DMP spezifiziert und dessen Implementierungsproblematik
aufgrund der Verhandlungs- und Entscheidungsstrukturen innerhalb des korporativen Gesundheitssystems und der Anbindung an den Risikostrukturausgleich
herausgearbeitet.
Die empirische Analyse des Diabetes-DMP bildet den Schwerpunkt der Arbeit. Zunächst werden die ausgewählte Forschungsmethode und das Studiendesign dargestellt. Bei der Forschungsmethode handelt sich um eine zweistufige Delphi-Befragung mit Experten der Kassenärztlichen Vereinigungen, Krankenhausgesellschaften, gesetzlichen Krankenkassen und Wissenschaft. Der Themenkomplex der
Befragung spiegelt die sechs versorgungsrelevanten DMP-Dimensionen wider:
-Programminhalte
-Patientenorientierung
-Einbindung der Leistungserbringer
-Versorgungssteuerung
-Qualitätssicherung
-Programmdurchführung
Jeder Dimensionen sind Fragen zu charakteristischen Indikatoren zugeordnet.
Zusätzlich erfolgt als Letztes eine Einschätzung der Experten hinsichtlich möglicher Verbesserungspotenziale des DMP-Konzeptes.
Die Befragungsergebnisse für die jeweilige DMP-Dimension werden vor dem
spezifischen Hintergrund der Dimension analysiert und bewertet. Es kann gezeigt
werden, dass das Konzept für das DMP Diabetes mellitus Typ 2 in jeder Dimension sowohl Stärken als auch Schwächen aufweist. Bei den Verbesserungspotenzialen
hat sich herauskristallisiert, dass die Bereiche - Weiterentwicklung der Gesundheitstelematik - und - Entbürokratisierung - von zentraler Bedeutung sind.
Für das DMP Diabetes mellitus Typ 2 wird schließlich festgestellt, dass es eine Vielzahl wesentlicher und notwendiger Indikatoren der versorgungsrelevanten DMP-Dimensionen erfüllt und diese gute Ausgangsbasis die Chance bietet, noch bestehende DMP-Schwachstellen nachhaltig zu beseitigen, um für chronisch Kranke ein Versorgungskonzept auf hohem Qualitätsniveau zu etablieren. Auch
aus Public Health-Perspektive stellt die Einführung des DMP einen wesentlichen
Schritt in Richtung ganzheitlicher und kontinuierlicher Versorgung chronisch
Kranker dar.
Für die Zukunft wird die Empfehlung für ein DMP-Modell ausgesprochen, das den gesetzlichen Krankenkassen finanzielle Vorteile bringt, wenn damit die Versorgungsqualität verbessert wird und nicht, wie bisher, wenn eine große Anzahl an Versicherten am DMP teilnimmt.
Annette Scheder
Disease Management Programm Diabetes mellitus Typ 2 Chronische Erkrankungen Delphi-Methode Public Health