Im Zeitalter des Internets, des E-Commerce und der " Global Player" spielt
die firmenübergreifende Abwicklung von Prozessen eine immer bedeutendere
Rolle. Die Entwicklung neuer Produkte beispielsweise findet in der Regel
nicht mehr nur in einer einzelnen Unternehmung statt, vielmehr werden
spezielle Aufgaben immer öfter an spezialisierte Partner delegiert, die
eine hochwertige Teillösung zur Weiterverarbeitung liefern. Die globalen
Prozesse, die einer solchen Zusammenarbeit zu Grunde liegen, können dabei
äußerst komplex sein. Um eine möglichst effiziente Bearbeitung zu
ermöglichen, ist ein gewisser Grad der Rechnerunterstützung unumgänglich.
Eine mögliche Form der Unterstützung bieten so genannte Workflow-Management-
Systeme. Bei einem Workflow handelt es sich dabei um eine dem Rechner
" verständliche" Darstellung eines Geschäftsprozesses mit Aktivitäten,
Organisationsmodell sowie Kontroll- und Datenflüssen. Soweit es um die
Möglichkeiten einzelner Workflow-Management-Systeme (WfMS) geht, ist dies
mittlerweile auch ein wohl erforschtes Gebiet. Eine automatisierte Kontrolle
von Abhängigkeiten zwischen von heterogenen WfMS gesteuerten Prozessen ist
jedoch weitgehend unerforscht. Eine solche Kontrolle ist jedoch hinsichtlich
der Steuerung von firmenübergreifenden Prozessen äußerst wünschenswert, da
eine beträchtliche Aufwandsreduzierung zu erwarten ist. Bei den bisherigen
Arbeiten auf diesem Gebiet lag das Hauptaugenmerk auf der Abwicklung
inselübergreifender Kontrollflüsse. Die automatische Bereitstellung der
auszutauschenden Daten besitzt jedoch noch enormes Optimierungspotenzial
und bildet den Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit. Dabei sind drei Probleme
zu lösen: Zunächst muss die Modellierung unternehmensübergreifender Prozesse
angemessen unterstützt werden. Dabei ist eine hinreichende Beschreibung von
Datenflussabhängigkeiten zu gewährleisten. Zweitens existieren zur
Realisierung der Datenflüsse verschiedene Möglichkeiten, weshalb zunächst die
technischen und organisatorischen Randbedingungen beschrieben werden müssen,
um eine für eine gegebene Systemlandschaft optimale Realisierung zu bestimmen.
Drittens wird eine Middleware benötigt, die eine integrierte Sicht auf
unternehmensübergreifende Datenflüsse ermöglicht, die im Rahmen
inselübergreifender Prozesse automatisiert abgewickelt werden.
Gegenstand dieser Arbeit ist daher, den Abbildungsprozess von der Erstellung
des Geschäftsprozessmodells bis hin zur Ausführung durch die Integrations-
Middleware zu unterstützen. Dazu wird zunächst eine Klassifikation der
Datenflüsse vorgenommen, die verschiedene Aspekte wie Speicherung der Daten
auf Quell- und Zielseite, Art der Übertragung, Wirkung des Datenflusses sowie
Auswirkung auf die Besitz- und Eigentumsverhältnisse berücksichtigt. Anhand
dieser Klassifikation werden sinnvolle Kombinationen identifiziert und zu so
genannten Integrationsmustern zusammengefasst. Neben einer Auswahl der
wichtigsten Integrationsmuster wird ein auf XPDL basierender Vorschlag zur
Modellierung von Datenflusskanten in inselübergreifenden Prozessen vorgestellt.
Weiterhin werden Richtlinien entwickelt, die dem Entwickler den Weg zu einer
für seine Systemlandschaft geeigneten Architektur erleichtern. Am Beispiel
von EAI-Systemen wird diese Vorgehensweise weiter erläutert. Den Abschluss
bildet die Beschreibung einer prototypischen Umsetzung, die auf Basis des
Systems Crossworlds der Firma IBM durchgeführt wurde.
Markus Bon
Datenflussmodellierung Datenintegration, unternehmensübergreifend Geschäftsprozesse Workflow