In den letzten Jahren hat mit der Einführung flächendeckender Mammographiescreening Programme und verbesserter Bildgebung die beobachtete Frequenz früher proliferativer oder nicht-invasiver Veränderungen des Brustdrüsenepithels deutlich zugenommen. Von entscheidender Bedeutung für die weitere Behandlung der Patientinnen ist hierbei neben der histopathologischen Diagnostik eine möglichst gute Kenntnis des zu erwartenden biologischen Verhaltens der Läsionen.
Während das biologische Potential des duktalen in situ Karzinoms (DCIS) als klassische Vorläuferläsion relativ gut charakterisiert ist, wurde die Bedeutung lobulärer Neoplasien (LN) und flacher Epithelatypien (FEA) in der Entstehung invasiver Mammakarzinome bislang kontrovers diskutiert. Auch anhand größerer, klinisch gut validierter Fallserien konnte die Frage einer Marker- oder Vorläuferrolle dieser Veränderungen bislang nicht sicher beantwortet werden. Da die Läsionen oftmals nicht isoliert, sondern synchron und in enger Koexistenz miteinander und mit invasiven Mammakarzinomen oder low-grade DCIS (Ig-DCIS) beobachtet werden, scheint das Vorliegen am ehesten hormonell bedingter Feldeffekte auf das Brustdrüsenparenchym wahrscheinlich. Zusätzlich konnten die im Rahmen der Habilitation durchgeführten Arbeiten jedoch erstmals auch eine direkte Vorläuferrolle der LN in der Entwicklung invasiver lobulärer Mammakarzinome sowie einen unmittelbaren klonalen Zusammenhang zwischen FEA und tubulären Karzinomen nachweisen.
Zusammenfassend belegen die Ergebnisse der durchgeführten Untersuchungen die molekulare Heterogenität des Spektrums der Vorläuferläsionen invasiver Mammakarzinome und liefern wichtige Erkenntnisse über das von der jeweiligen Entität zu erwartende biologische Verhalten in der weiteren Tumorprogression.
Sebastian Aulmann
DCIS Mammakarzinom Vorläuferläsionen duktales in situ Karzinom lobuläre Neoplasien