In dieser Arbeit wird das Selective Laser Melting von bioresorbierbaren medizinischen Werkstoffen
entwickelt. Ausgangspunkt sind die medizinisch zugelassenen Werkstoffe, die für die Verarbeitung
mit SLM ausgewählt und aus denen geeignete Partikel hergestellt werden, die mit SLM
verarbeitet werden können. Für eine breite Anwendungsmöglichkeit des Fertigungsverfahrens
werden die Werkstoffe Poly(L-lactid), Poly(DL-lactid) / ß-Tricalciumphosphat und Henchglas / ßTricalciumphosphat
ausgewählt.
Für die schichtweise Verarbeitung der Werkstoffe werden diese zu Partikeln weiterverarbeitet.
Dazu werden geeignete Verfahren identifiziert mit denen sphärische Partikel mit einer Größe von
20 - 50 IJm hergestellt werden. Für einen reproduzierbaren Pulverauftrag wird die Prozesstechnik
angepasst. Verschiedene Module für den Pulverauftrag mit einer Kohlefaserbürste, mit einer
Kompression des Pulvers und mit einer rotierenden Walze werden entwickelt und in die Anlagentechnik
integriert.
Die ausgewählten Werkstoffe sind thermosensitiv und dürfen während der Verarbeitung definierte
Temperatur - Zeit - Zyklen nicht überschreiten. Zur Bestimmung der beim SLM vorherrschenden
Temperaturen wird ein theoretisches Modell zur Abbildung des Prozesses entwickelt und mit
experimentellem Nachweis validiert. Mit diesem Modell wird der Einfluss der Verfahrensparameter
auf die resultierenden Temperaturfelder dargestellt und die Möglichkeit des" reverse
engineering" mit Voraussage von geeigneten Verfahrensparameterbereichen zur defektfreien
Verarbeitung der Werkstoffe mit geringer thermischer Belastung geschaffen. Mit der Simulation
der Temperaturfelder wird gezeigt, dass mit Verwendung einer homogenisierten Intensitätsverteilung
der Laserstrahlung die thermische Belastung signifikant reduziert werden kann.
Die Verfahrensentwicklung beinhaltet die Analyse des Einflusses der Verfahrensparameter Laserleistung,
Scangeschwindigkeit, Spurversatz, Schichtdicke und Scanvektorlänge auf die Mikrostruktur
sowie die mechanischen, chemischen und biologischen Eigenschaften der generierten Bauteile.
Ein geeignetes Parameterfenster zur Herstellung von Bauteilen aus PLLAund PDLLA/ ß-TCP
wird identifiziert, bei dem eine Dichte von> 99 % erreicht wird. Die Erarbeitung eines Prozessfensters
zur Verarbeitung von Henchglas / ß-TCP ist nicht erreicht worden.
Die mechanischen Festigkeiten der mittels SLM hergestellten Bauteile überschreiten die in bisherigen
Arbeiten erzielten Ergebnisse. An massiven Bauteilen werden Biege-Bruch-Festigkeiten von
12,5 MPa erreicht, die Druckfestigkeiten von Bauteilen mit interkonnektierender offener Porenstruktur
liegt bei 3,4 - 8,8 MPa in Abhängigkeit der Durchmesser der Porenstruktur. Die chemischen
Eigenschaften entsprechen weitestgehend den Eigenschaften der Ausgangswerkstoffe. Die
biologischen Eigenschaften von mittels SLM hergestellten Testgeometrien werden mit Zellkulturversuchen
untersucht und zeigen keine schädigende Wirkung der Werkstoffe auf die Zellkulturen.
Auf Basisder vorgestellten Entwicklung des SLM werden Demonstrationsimplantate hergestellt.
Diese umfassen individuell an verschiedene Knochendefekte angepasste Knochenersatzimplantate
aus PDLLA/ ß-TCP, die mit einer interkonnektierenden Porenstruktur '700 IJm) versehen werden.
Des Weiteren werden Demonstratorstents aus PLLA-co-PC L hergestellt, mit denen das Potential
zur Herstellung von Stents demonstriert wird.
Mit der vorliegenden Arbeit wird der Grundstein für die Herstellung von bioresorbierbaren
Implantaten mit Selective Laser Melting gelegt.
Simon Höges
Additive Manufacturing Implantat Knochenersatz Salective Laser Melting bioresorbierbar