Fehler geschehen täglich, sie sind fester Bestandteil individueller und kollektiver Entwicklungsprozesse. Der Umgang mit ihnen kann sowohl im Alltag als auch in beruflichen oder in bildungsbezogenen Kontexten maßgeblich für Erfolg und Misserfolg sein. Der Frage danach, wie Fehler positiv umgedeutet werden können, gehen die Autorinnen und Autoren dieses Bandes nach. Teil eins reflektiert Fehlerkonzeptionen; im zweiten Teil stehen lebensweltliche Perspektiven im Fokus. Teil drei betrachtet Fehler in Bildungskontexten, wohingegen Teil vier die Funktion von Fehlern in der Arbeitswelt analysiert.
In allen Sektoren gesellschaftlicher Praxis werden Fehler gemacht, die sich außerordentlich verschieden und ambivalent auf den Erfolg dieser Praxis auswirken können. Im Zentrum der Beiträge dieses Bandes steht die Frage nach den Bedingungen, unter denen sich Fehler als Ausgangspunkte für Lern- und Entwicklungsprozesse konzipieren und nutzen lassen.
Die Autorinnen und Autoren in Teil eins des Bandes reflektieren grundlegende Fragestellungen zur Konzeption und zu verschiedenen Funktionen von Fehlern in Lern- und Entwicklungsprozessen. Im zweiten Teil des Bandes werden Fehler aus lebenszeitlichen, lebensweltlichen und systemischen Perspektiven betrachtet. So wird z.B. der Frage nach den gesellschaftlichen Instanzen nachgespürt, durch deren Einfluss Fehler erst zu Verfehlungen gemacht werden. Die Beiträge in Teil drei analysieren Funktionen von Fehlern in Bildungskontexten. So wird etwa die Rolle von Peernetzwerken in Schulklassen beim Umgang mit Fehlern beleuchtet. Teil vier schließlich fokussiert Funktionen und Bedingungen eines produktiven und lernorientierten Umgangs mit Fehlern in der Arbeitswelt.
Martin Gartmeier
Martin Gartmeier, Dr. (geb. 1976), ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Susanne Klatten Stiftungslehrstuhl für Empirische Bildungsforschung (Prof. Dr. Manfred Prenzel) der TUM School of Education, TU München. Seine Forschungsinteressen sind Lernen aus Fehlern und negatives Wissen im Kontext professionellen Lernens sowie die Kommunikation zwischen Lehrpersonen und Eltern als Thema der Lehrerbildung. Er promovierte an der Universität Regensburg bei Prof. Dr. Dr. h. c. Hans Gruber und Prof. Dr. Helmut Heid zum Thema „Fehlerfreundlichkeit im Arbeitskontext: Positive Einstellungen gegenüber Fehlern und negatives Wissen als Ressourcen professionellen Handelns“.
Martin Gartmeier, PhD (born 1976), is Postdoctoral Research Fellow at the Chair for Empirical Educational Research (Prof. Dr. Manfred Prenzel) TUM School of Education, TU München (Germany). His research interests are professional learning,
learning from errors, negative knowledge, teacher education and communication between teachers and parents. He earned his PhD at the University of Regensburg (Germany) (Prof. Dr. Dr. h. c. Hans Gruber and Prof. Dr. Helmut Heid). His topic was
“Error-friendliness at work: Positive attitudes towards errors and negative knowledge as resources of professional behaviour”.
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Der rote Faden des Buches ist der Gedanke, dass Fehler unter bestimmten Umständen günstige Ausgangspunkte für Lernprozesse sind. Das, was man aus Fehlern lernen kann, betrifft nicht nur das Unterbleiben ihrer Wiederholung, sondern auch eine Bewusstseinserweiterung, die in der informierten Antizipation möglicher Risiken und Gefahren besteht, durch die Fehler präventiv verhindert werden, ohne sie je ganz ausschließen zu können. Ein Leben mit Fehlern bedarf aus pädagogischer Perspektive einer Fehlerkultur, in der man dem Fehlenden nicht feindselig gegenübertritt, sondern ihn, der auf seine Weise ein „Experte“ ist, ins „problem solving“ einbindet.
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Dass Falsches nicht nur ausgemerzt und durch das »Richtige« ersetzt werden sollte, sondern dass ein offener und reflektierender Umgang mit Fehlern zu tieferem Verständnis und sogar zu unerwartet kreativen Lösungen führen kann, das wird aus theoretischen Analysen hergeleitet und an Beispielen verdeutlicht. – Eine Relativierung der moralisierenden und emotional belastenden Funktionen und dadurch auch eine mögliche Helfe bei den eisenen Flehern.
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