Der Modality-Shift-Effekt stellt ein spezifisches und irreversibles Aufmerksamkeitsdefizit bei Schizophrenie dar. In einer umfassenden klinischen Studie mit 390 Versuchspersonen konnte der Modality-Shift-Effekt erstmals auch bei chronisch alkoholkranken Patienten nachgewiesen werden.
Das Auftreten dieser Aufmerksamkeitsstörung hängt allerdings vom Stadium der chronischen Alkoholkrankheit ab. Im akuten Stadium ist das Defizit am deutlichsten ausgeprägt. In der Rehaphase unter Alkoholkarenz bildet es sich zurück. Nur bei depravierten Alkoholikern persistiert die Störung. Die Reversibilität in bestimmten Stadien lässt Rückschlüsse auf die Plastizität des menschlichen Gehirns zu und korrespondiert mit neuroanatomischen Restitutionsbefunden der neueren Alkoholismusforschung.
Die klinische Relevanz liegt in einer psychophysisch gesicherten Verlaufskontrolle der chronischen Alkoholkrankheit sowie der Bereitstellung eines Vulnerabilitätsmarkers.
Heinz Dommes
Abstinenz Aufmerksamkeitsstörung Modality Shift Effect Neuropsychologie Reaktionszeit chronische Alkoholkrankheit crossmodale Retardierung