Erst seit Mitte des 12. Jahrhunderts spricht man in der Christenheit von der Siebenzahl der Sakramente. In der alten Kirche konnte jede irgendwie kirchliche Handlung ein sacramentum oder (im griechischen Sprachgebiet) mysterion genannt werden. Es ist sehr aufschlussreich zu beobachten, wie sich in den verschiedenen christlichen Kirchen der Sakramentsbegriff nach und nach herausgebildet hat. Das Ringen der verschiedenen Epochen und Strömungen des Christentums um das Verständnis der Eigen-Art der verschiedenen sakramentalen Handlungen zeigt, wie schwierig es ist, jeweils zu einem zeit- und geistgemäßen Sakramentsverständnis zu gelangen.
Die alte Kirche hatte die sieben Sakramente lebensmäßig, ohne ein Bewusstsein um diese Tatsache. Im Mittelalter will sich die Idee der sieben Sakramente ans Tageslicht heraufarbeiten, in den Gedankenanstrengungen der Scholastik kommt es aber erst zu einem Erkenntnisraum. In unserer Zeit soll die Idee der sieben Sakramente voll zu sich erwachen. (Rudolf Frieling)
Frielings kleine Schrift, erstmals 1950 erschienen, zeichnet überaus prägnant und scharfsichtig die Entwicklungen eines zentralen Themas des Christentums nach.
Rudolf Frieling
Rudolf Frieling, 1901 in Leipzig geboren, gehörte 1922 zu den Gründern der Christengemeinschaft. Die Zentren seiner Arbeit waren Leipzig, Mannheim, Nürnberg, Wien und New York. 1955 ging er nach Stuttgart, 1960 übernahm er das Amt des Erzoberlenkers. Frielings zahlreiche Buchveröffentlichungen und Zeitschriftenartikel nehmen in der Literatur der Christengemeinschaft eine besondere Rolle ein, seine Studien zum Alten und Neuen Testament sind bis heute für jeden Priester unverzichtbar. Er starb 1986 in Stuttgart.
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