Daß Ingeborg Bachmann in "Malina" Motive, Sentenzen und Paraphrasen aufgenommen hat, die auf andere Autoren zurückgehen, ist in der Forschung nur vereinzelt zur Kenntnis genommen worden. Jens Brachmann gibt nun einen Überblick über das dichte Netz intertextueller Verweise. Der Autor zeigt die Wichtigkeit zitathafter Techniken in "Malina" für das gesamte Erzählvorhaben auf. Er entwickelt die Bedeutung des fremden Materials für das Erzählen und die Gesamtstruktur des Romans insbesondere an dem erzähllogisch problematischen Ende. Die narrative Darstellung des Verschwindens des erzählenden Ich einige Passagen vor dem Schlußsatz erweist sich so auch als Folge der zitathaften Anlage des Romans.
Wir glauben immer, wir können uns auf diese soge nannten Bedeutenden und Großen, wie immer, im entscheidenden Augenblick, also im lebensentscheiden den Augenblick, verlassen [ ... ] (Thomas Bernhard)l »Malina« -Ingeborg Bachmanns einzig vollendeter Roman des »Todesarten« Projekts _2 ist ohne Berücksichtigung des in den Text integrierten Zitatmate rials kaum angemessen zu würdigen. Daß in dem erzähllogisch innnovativem Text Motive, Sentenzen und Para phrasen aufgenommen sind, die auf andere Autoren zurückgehen, ist zwar 3 vereinzelt bekannt und in der Forschung zur Kenntnis genommen worden. Wie umfassend das Repertoire der literarischen Vorlagen für die »Todes arten« aber tatsächlich ist, konnte bisher nicht wahrgenommen werden, weil das Material im Text nicht ausdrücklich als fremdes kenntlich gemacht und so auch nur erschwert auffindbar ist. Die Gründe für eine kaum entwickelte Forschung zum literarischen Einfluß anderer Autoren und Texte auf Bachmann sind indes vielfältig. Die evidente ste Ursache ist dabei in dem Umstand zu suchen, daß intertextuell fokussier te Analysen kaum von Vertretern der Bachmann-Philologie selbst angestrengt wurden, sondern eher dem 'interpretatorischen Überschuß' vergleichbarer Untersuchungen zu anderen Autoren zu verdanken sind bzw. das betreffende 4 Material auch zufällig die Aufmerksamkeit der Interpreten erregte. Weder wurde bisher gezielt nach literarischen Vorlagen insbesondere der in »Mali- I Bemhard, Thomas: Alte Meister. Frankfurt/M. 1985, S. 286.
Jens Brachmann
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